Rumänisches Filmfestival

Die nicht so helle Seite der Dinge

Der Eröffnungsfilm CHARLESTON von Andrei Cretulescul

Rumänien war nie größer als in den Jahren zwischen 1919 und 1940. Aus dem Ersten Weltkrieg ging das Land mit großen territorialen Zugewinnen hervor: Siebenbürgen, Bessarabien und die Bukowina entschieden sich für die Zugehörigkeit zu România Mare (Großrumänien). Ausgerechnet im Jahr 1989 erinnerte eine große historische Filmproduktion an die Ereignisse von 1918, als in den »Karlsburger Beschlüssen« eine wichtige Grundlage für das Verhältnis Rumäniens zu seinen europäischen Nachbarn und zu den Minderheiten im eigenen Land geschaffen wurde: GERECHTIGKEIT von Andrei Blaier war eigentlich als ein Versuch gedacht, eine wichtige Phase der nationalen Geschichte für das Ceauşescu-Regime zu reklamieren und das Volk, das zu diesem Zeitpunkt vor allem mit massiven Versorgungsschwierigkeiten zu kämpfen hatte, auf eine gemeinsame Sache einzuschwören. Der Versuch, einen älteren nationalen Geist auf den spätstalinistischen kommunistischen Sonderweg Rumäniens kritisch abzubilden, wurde nach einer Woche im Kino verboten. Das Verbot wurde in dem Moment obsolet, in dem die Revolution von 1989/90 nicht nur die Herrschaft der Ceauşescus beendete, sondern auch den Blick auf 1918/19 entscheidend veränderte.

Nun wurden die Ereignisse, von denen GERECHTIGKEIT erzählt, zu einem Ausgangspunkt für verschiedene denkbare Rückgriffe auf eine bessere Vergangenheit vor dem Kommunismus – zum Beispiel für eine Wiedereinführung der Monarchie. Allerdings stand Großrumänien unweigerlich unter einem gravierenden historischen Akzent: 1940 verlor Rumänien nicht nur einen wesentlichen Teil der gewonnenen Gebiete, sondern wurde durch den »nationallegionären« Regimewechsel unter Marschall Antonescu auch in das faschistische Europa eingemeindet. Eine Folge war, dass Rumänien die antisemitische Vernichtungspolitik NS-Deutschlands mitmachte: Im Oktober 1941 wurden zum Beispiel in Odessa innerhalb weniger Tage mehrere zehntausend Juden ermordet.
Darauf bezieht sich Radu Jude in seinem neuen Film »MIR IST ES GLEICHGÜLTIG, OB WIR ALS BARBAREN IN DIE GESCHICHTE EINGEHEN«. Eine junge Regisseurin beabsichtigt, ein re-enactment der Verbrechen in Odessa zu inszenieren. Jude zeigt die komplizierten Vorbereitungen, und er lässt dabei viel von der heutigen geschichtspolitischen Situation in Rumänien deutlich werden: Marschall Antonescu wird im Vergleich zur kommunistischen Diktatur immer noch von vielen tendenziell positiv gesehen, und ein Unrechtsbewusstsein wegen der Verbrechen an den Juden ist nicht allzu stark ausgeprägt.

Für ein rumänisches Filmprogramm im Jahr 2018 bildet das Jahr 1918 einen plausiblen Ausgangspunkt: Der Tag der Einheit, der als Nationalfeiertag an den 1. Dezember 1918 erinnert, wird in diesem Jahr auf eine hundertjährige Geschichte zurückblicken. Diese ist natürlich nur ein Ausschnitt aus einer längeren Geschichte, und es gibt auch vor 1918 wichtige Bezugspunkte für einen rumänischen Republikanismus.

Weiter im Text von Bert Rebhandl und zum Programm-pdf (8. bis 18. November 2018)

In Kooperation mit der Gesellschaft zur Förderung der Rumänischen Kultur und Tradition e.V.

POROROCA von Constantin Popescu
OCTAV von Serge Ioan Celebidachi

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