Roman Polanski

Kino der Heimsuchung

Als die Cinémathèque française im Oktober letzten Jahres eine große Ausstellung über die Geschichte der Filmtechnik eröffnete, fungierte er als Pate. Eine klügere Wahl hätte die Pariser Kinemathek nicht treffen können, denn Roman Polanski hat immer wieder betont, wie unverzichtbar für ihn das Handwerk ist, das er an der Filmhochschule erlernt hat. Darin unterscheide er sich, bemerkte der Regisseur mit maliziösem Stolz, doch ganz erheblich von seinen Freunden von der Nouvelle Vague, die als Filmkritiker angefangen hatten. Zur Eröffnung der Ausstellung präsentierte er LE LOCATAIRE (DER MIETER), der seinen virtuosen Umgang mit der Technik spektakulär unter Beweis stellt. 1976 war er der erste Filmemacher, der den Kamerakran Louma einsetzte. Die Exposition des Films ist eine überaus akrobatische Kameraoperation, eine Kombination aus Fahrten und Schwenks, der die Fassaden und Winkel des Innenhofs erkundet, in dem der Film fortan spielen wird. Die Kamera stellt bereits einige der Figuren vor, entdeckt sie hinter zugezogenen Gardinen. Einmal hält sie inne, als sich hinter einem Fenster ein Gesicht in ein anderes verwandelt. Eine Atmosphäre der Künstlichkeit offenbart sich in dieser Sequenz; die Dekors geben sich ungeniert als Studiokulissen zu erkennen. Und doch wird der Zuschauer augenblicklich in den Bann des Films gezogen, in dessen Verlauf die mulmige Enge nachbarschaftlichen Zusammenwohnens nach und nach in einen Albtraum umschlägt.

Ein Treibhauseffekt

Als LE LOCATAIRE 1976 herauskam, fügte er sich in einen Zyklus der klaustrophobisch-pathologischen Erzählungen, den der Regisseur ein Jahrzehnt zuvor mit REPULSION (EKEL) und ROSEMARY'S BABY begonnen hatte. Ihr erzählerischer Radius beschränkt sich weitgehend auf einen Schauplatz. Der filmische Raum ist für diesen Regisseur eine Sphäre der Heimsuchung, anfangs auch der Halluzinationen und surrealen Verwandlungen. Sich auf einen Handlungsort zu konzentrieren, ist für ihn keine Begrenzung, sondern eine Herausforderung an seine visuelle und dramaturgische Vorstellungskraft. Bereits sein Kurzfilm DWAJ LUDZIE Z SZAFĄ (ZWEI MÄNNER UND EIN SCHRANK) von 1958 weist ihn als einen Filmemacher aus, der es versteht, mit Motiven und Requisiten hauszuhalten. Er ist ein Meister der Verdichtung. Gleichviel, ob seine Filme in einem Segelboot, einer Mietwohnung, auf einer entlegenen Insel, in einer römischen Villa, auf einem Passagierdampfer, in einem Versteck im Warschauer Ghetto oder auf einer Theaterbühne spielen – regelmäßig gelingt es ihm, Konflikte auf engstem Raum zuzuspitzen. Seine frühen Filme in Polen und England spiegeln ein Klima des existenziellen Geworfenseins wider: Die Kamera rückt den Charakteren oft grotesk nahe, extreme Weitwinkelaufnahmen unterstreichen die Absurdität der Situationen. Seither ist sein Stil klassischer geworden, hat aber nichts an an Virtuosität und Lebendigkeit eingebüßt. Jede seiner Arbeiten ist ein filmisches Experiment, das seine helle Freude an den eigenen, raffinierten Kunstgriffen hat – und dabei die Charaktere stets auf die Unentrinnbarkeit ihres Schicksals festlegt.

Weiter im Text von Gerhard Midding und zum Programm der Filmreihe (19. Oktober – 20. Dezember 2017)

"Das Messer im Wasser" (1962)
"Der Mieter" (1976)
"Tess" (1979)

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