Oktoberrevolution

Das Bild der Revolution im Film

"Lenin im Oktober" (1937), Regie: Michail Romm

Große historische Ereignisse werden schnell zu Mythen, in denen die Heldentaten und die Bedeutung überhöht und die historischen Hintergründe immer mehr aus dem Blick verloren werden. So ist auch bei der russischen Oktoberrevolution und den Filmen davon vieles nicht so, wie es scheint. Die Revolution war in Wahrheit ein Putsch. Sie fand nicht im Oktober, sondern im November statt und es gibt keinen Film davon, nur viele dazu. Sie war zudem kein spontaner Umsturz, sondern ein mehrjähriger Prozess der Unzufriedenheit, der Proteste, schließlich der Machtergreifung und -durchsetzung. In vier Kapiteln soll beleuchtet werden, wie dieses einschneidende historische Ereignis sich ankündigte, in Etappen stattfand, zu einem blutigen Bürgerkrieg führte und in Deutschland weiterwirkte.

Das Bild der Revolution im Film
Wir glauben, relativ präzise bildliche Vorstellungen von den Abläufen im Oktober 1917 in Petrograd zu haben. Zugleich ist bekannt, dass es von den Geschehnissen in der Nacht zum 26. Oktober 1917 (nach dem neuen Kalender zum 8. November) keine Filmaufnahmen gibt, weil mit damaliger Technik keine Nachtaufnahmen möglich und vielleicht auch keine Zeugen erwünscht waren. Allerdings haben Fotografen und Wochenschau-Kamerateams in Petrograd und auch Moskau die Ereignisse im Februar und Juli 1917 dokumentiert und damit gewissermaßen die Bildformeln geliefert, auf die dann das Jahr 1917 symbolisch verkürzt wurde. Sie prägen unser »Bildgedächtnis« des Umsturzes bis heute. Insbesondere auch, weil Eisensteins OKTJABR’ (1928), wohl der berühmteste der Revolutionsfilme, die Geschehnisse anhand dieser Fotos nachinszenierte – und diese Filmbilder seitdem immer wieder als authentisch in Dokumentationen verwendet oder in Spielfilmen repliziert wurden. Eisensteins Film wurde damals von Hardlinern »Unverständlichkeit für die Massen« attestiert, obwohl er die Erwartungen eines bildgewaltigen Sturms des Winterpalastes erfüllt hatte. Doch in diesem Ausmaß und mit dieser Dramaturgie hatte dieser gar nicht stattgefunden. Und Eisenstein wollte seinen Film nicht als Mittel zur Demonstration der realen Wirklichkeit verstanden wissen; er versuchte sich am Experiment eines Filmtraktats mit neuer »intellektueller Montage«, die zu einer Abstraktion und überzeugender symbolischer Überhöhung der Revolution führen sollte. Er schlug dafür einen großen Bogen über beide »Revolutionen«, von denen nur die erste diesen Namen wirklich verdient.

Denn im Februar 1917 kommt es in Petrograd zu Protestmärschen von Frauen gegen den Hunger und den Krieg. Das Datum (später: 8. März) wird deshalb später auch zum »Internationalen Tag der arbeitenden Frauen« ausgerufen. In der Folge bilden sich Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte, die kurzerhand die Macht im Parlament übernehmen. Diese Februarrevolution führt zur Bildung einer Provisorischen Regierung und zur Abdankung des Zaren. Da diese Regierung den Krieg fortführt, kommt es am 3. April zu Massendemonstrationen für den Friedensschluss. Lenin kehrt aus dem Schweizer Exil zurück und ruft die Parteiversammlung auf, die parlamentarische Regierung zu boykottieren und eine Räterepublik zu errichten. Anfang Juli kommen 500.000 Teilnehmer in Petrograd zu friedlichen Protesten zusammen, denen die Bolschewiki die Unterstützung allerdings verweigern. Die Provisorische Regierung richtet ein Blutbad unter den Demonstranten an. Regierungschef Kerenskij führt die Todesstrafe für Deserteure ein, die massenhaft von der Front zurückströmen, und schlägt im August einen Putsch konservativer Militärs nieder. Am 25. September erringen die Bolschewiki unter Trotzkij im Petrograder Sowjet die Mehrheit. Das ZK der Partei beschließt am 10. Oktober, demnächst den bewaffneten Aufstand zu wagen. Kurz vor Eröffnung des Allrussischen Sowjetkongress besetzen die Bolschewiki am 24. Oktober wichtige Gebäude in Petrograd; Kerenskij flieht. Die gemäßigten Sozialisten verlassen aus Protest den Kongress. Zur gleichen Zeit dringen Stoßtrupps in den Winterpalast vor. Trotzkij und Lenin bringen inzwischen staatsstreichartig den Sowjetkongress unter ihre Kontrolle. Regierung und Räte sind entmachtet, doch die Mehrheit der Bevölkerung bekommt davon kaum etwas mit. Die Bolschewiki versuchen in den folgenden Wochen, durch Dekrete und durch Verbote der Opposition ihre Macht zu stabilisieren.

Weiter im Text von Alexander Schwarz und zum Programm der Filmreihe (24. Oktober 2017 bis 27. Februar 2018). ical-Datei für Kalender-Apps.

"Die Kommissarin" (1967), Regie: Aleksandr Askol'dov

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