Neues Kino aus Argentinien

Temporada de chicas

"El futuro perfecto" (Das Futurperfekt) von Nele Wohlatz

Um aktuelles argentinisches Kino zu begreifen, muss man auf die 1960er Jahre zurückblicken. Damals waren es u.a. Leopoldo Torre Nilsson, David Kohon, Manuel Antín, Rodolfo Kuhn und Hugo Santiago, die mit ihren modernen und intellektuellen, von europäischen Strömungen beeinflussten Filmen eine Antwort und Reaktion auf die bis dato vorherrschende industrielle Kino-produktion gaben. Diesen Autoren müssen mit Blick auf die Erneuerung der Sprache und der Thematiken weitere hinzugefügt werden, die sich zudem als Erneuerer von Produktions- und Verleihformen auszeichneten: Fernando Solanas, Octavio Gettino, Jorge Cedrón, Raymundo Gleyzer und andere Vertreter eines politischen Kinos zu Beginn der 1970er. Die Gründer und Mitglieder von Politfilmgruppen wie Cine de la Base oder Grupo Cine Liberación lassen sich in eine weitreichendere lateinamerikanische Bewegung fassen, die als Drittes Kino (Tercer Cine) bekannt wurde. Dieses wollte sich nicht nur vom dominanten industriellen Unterhaltungskino lösen, sondern auch von einem Autorenkino, das sie als zwar unabhängiges, aber bürgerliches Modell betrachteten.

Mit Beginn der Militärdiktatur Mitte der 1970er Jahre wurden jegliche Suche nach neuen Formen sowie die Debatten und Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen innovativen Tendenzen abrupt und gewalttätig unterbrochen. Jede Möglichkeit eines Kinoschaffens außerhalb einer von der Diktatur betriebenen Kulturindustrie war versperrt. Es verschwand buchstäblich eine ganze Generation argentinischer Filmemacher von der Bildfläche. Eine ästhetische Erneuerung wurde erst Mitte der 1990er Jahre möglich, als eine neue Generation junger Regisseure die Bühne betrat, die mit dem Etikett Nuevo Cine Argentino versehen wurde. Es handelte sich dabei weder um eine programmatische Bewegung noch um eine Strömung, die eine bestimmte Form des Kinomachens vertrat. Diese Filmemacher hatten in der Regel an den gerade frisch gegründeten Filmhochschulen in Buenos Aires studiert, folgten vor allem ihrer persönlichen Intuition und beobachteten ihre direkte Umgebung. Ähnlich wie die Generation der 1960er waren sie von Erregung und Risikobereitschaft ergriffen, zeigten sich aber im Gegensatz zur Ernsthaftigkeit der Vorgänger frischer und zwangloser. Genau in dieser Übergangszeit des argentinischen Kinos drehte die aus Salta stammende Lucrecia Martel ihren Film LA CIÉNAGA (DER MORAST).

LA CIÉNAGA kommt einem Donnerschlag gleich und rüttelt den Süden Amerikas nach langen Jahren politischer Aushöhlung gründlich wach. Gleich mit der ersten Sequenz krempelt die Regisseurin das Kino in der Tradition des argentinischen Costumbrismo um, verortet sich damit selbst und erschafft einen neuartigen Ort, einen völlig anderen Raum. Ihre Art des politischen Engagements manifestiert sich eher in der Gestaltung einer anderen Sprechweise, anderer Sprachen, anderer filmischer Ausdrucksweisen.

Weiter im Text von Lucía Tebaldi & Julieta Zarankin sowie zum Programm-pdf der Filmreihe (16. Mai bis 27. Juni 2018)

"Temporada de caza" (Jagdsaison) von Natalia Garagiola. (c): Rei Cine
"El futuro que viene" (Die kommende Zukunft) von Constanza Novick

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Dienstag / Mittwoch / Freitag / Samstag / Sonntag 18.30 Uhr und 21.00 Uhr
Donnerstag 19.00 Uhr
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Eintrittspreise
Regulär 4 €
Mitglieder des MFZ 3 €
Aufschlag bei Überlänge oder Sonderveranstaltungen 1 € / 2 €

Rollstuhlfahrer / Hörgeschädigte
Das Kino im Untergeschoss ist über einen Aufzug für Rollstuhlfahrer zugänglich. Die Behindertentoilette befindet sich im Untergeschoss neben dem Kinoeingang. Der Kinosaal ist mit einer Induktionsschleife für Hörgeschädigte ausgestattet.

Programmheft
Das gedruckte Programmheft mit ausführlichen Angaben zu den Filmen ist im Filmmuseum erhältlich.

Sie können das Programmheft und den Spielplan auch herunterladen:
PDF Heft 34 bis 22. Juli 2018
PDF Kalenderübersicht bis 22. Juli 2018
Termine und Filmtexte als Webcal für Smartphone, Tablet, PC (stetig aktualisiert)
PDF Heft 33
bis 28. Februar 2018
PDF Kalenderübersicht bis 28. Februar 2018
Jubiläumsbroschüre (Hg. MFZ 2013)
PDF 50 Jahre Filmmuseum

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