MissRepresentation

Frauen und ihre Filme

"Die göttliche Ordnung" (Schweiz 2017) von Petra Volpe

 

Eine neue Welle der Frauenbewegung erreicht uns seit Ende 2017. Was als Debatte um missbräuchliche Machtverhältnisse im Hollywood-System begann, hat mit dem offenen Brief »Time’s Up«, der Anfang Januar 2018 in der New York Times veröffentlicht wurde, die Dimension einer Bewegung angenommen. In ihm antworten 300 namhafte Akteurinnen der Filmbranche auf einen von 700.000 Landarbeiterinnen unterzeichneten Brief, in dem sich diese mit der Me-too-Kampagne solidarisch zeigten. Die Schauspielerinnen offerieren jetzt einen millionenschweren Hilfsfonds für Missbrauchsklagen der sozial Benachteiligten. Prominenz und Proletariat gehen einen klassenübergreifenden Pakt ein, der Auftakt eines neuen Feminismus sein könnte.

Die Wirkmächtigkeit von Solidarisierungen erfuhren die Frauen in Deutschland im Jahr 1968. Die Filmemacherin Helke Sander, damals Sprecherin des »Aktionsrats zur Befreiung der Frau«, prangerte auf dem Kongress des Studentenbundes SDS dessen Ignoranz gegenüber der gesellschaftlichen Diskriminierung der Frauen an; als man zur Tagesordnung übergehen wollte, kam es zum berühmten Tomatenwurf. Er setzte ein symbolkräftiges Zeichen für eine neue Protestbewegung, die sich auch auf das weibliche Filmschaffen übertrug. Von nun an nahmen die Frauen zu den Fragestellungen des Feminismus explizit Bezug: Der feministische Film war geboren.

Doch zuvor schon hatten in den 1960er Jahren verschiedene europäische Regisseurinnen erste Werke gedreht, die nicht nur Geschlechterrollen in Frage stellten, sondern auch mit traditionellen Erzählmustern brachen: In Vera Chytilovás SEDMIKRÁSKY (TAUSENDSCHÖNCHEN, 1966) stellen zwei Mädchen die Ordnung auf den Kopf, in Mai Zetterlings FLICKORNA – DIE MÄD-CHEN (1968) hinterfragen drei Schauspielerinnen, die mit »Lysistrata« von Aristophanes durch Schweden touren, ihre eigenen Situationen als Frauen. Die Schwierigkeiten, auf die die Filme seinerzeit stießen, beschreibt Mai Zetterling: »Als FLICKORNA 1968 in Stockholm in die Kinos kam, war der Film ein krachender Flop. Das schwedische Publikum schien unfähig, die Ironie des Films zu erfassen, und damals fanden wir kaum Trost darin, dass später, als der Film wieder gezeigt wurde, das Publikum schrie und vor Begeisterung tobte.« Als »erster feministischer Film der BRD« (Christa Maerker) gilt NEUN LEBEN HAT DIE KATZE (1968), mit dem Ula Stöckl als erste Frau ihr Studium in der Filmklasse der Hochschule für Gestaltung in Ulm abschloss. Die Re-gisseurin wurde zur Pionierin weiblichen Filmschaffens – obwohl sie zur feministischen Bewegung auf Distanz blieb. Als letzter feministischer Film der alten BRD kann der am 5. August 1989 im ZDF ausgestrahlte komödiantische Dokumentarfilm DIE DEUTSCHEN UND IHRE MÄNNER. BERICHT AUS BONN gelten: Helke Sander lässt Lieschen Müller in der Hauptstadt der BRD nach einem Ehemann suchen.

Zwischen NEUN LEBEN HAT DIE KATZE und DIE DEUTSCHEN UND IHRE MÄNNER war jedoch recht wenig passiert. Sieht man sich die Produktionsbedingungen an, zeigt sich, dass diese auch nach dem Aufbruch der Regisseurinnen männerdominiert blieben. Frauen waren bis auf wenige Ausnahmen allenfalls Assistentinnen, der weibliche Körper blieb dem männlichen Blick unterworfen, auch in Filmen jenseits des Mainstreams. Das Kino bestehe darin, »schöne Frauen schöne Sachen machen zu lassen«, hatte François Truffaut Anfang der 1950er Jahre geschrieben, an ein Bonmot erinnernd, das der französische Filmkritiker Jean George Auriol geprägt hatte. Auch die Nouvelle Vague hatte nur wenige Regisseurinnen im Kino.

Weiter im Text von Dunja Bialas und zum Programm der Filmreihe (15. Mai bis 26. Juni 2018). 

"Männer zeigen Filme & Frauen ihre Brüste" (Deutschland 2013) von Isabell Suba
"Wonder Woman" 3D (USA 2017) von Patty Jenkins

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