Künstlerkino

Traumzeit im Künstlerkino

POESÍA SIN FIN (ENDLESS POETRY) von Alejandro Jodorowsky

Es war einmal eine Zeit, da gab es noch kein Fernsehen, erinnert sich François Truffaut in einem seiner Texte nicht ohne Wehmut. Der einzige Ort, an dem man bewegte Bilder erleben konnte, war das Kino. Ob Hollywood oder Cinecittà, Western oder Neorealismo, ob ein Filmemacher an realen Schauplätzen filmte oder die Wirklichkeit im Studio nachbauen ließ – Kino war und blieb ein Ort der Magie, an dem Realität grundsätzlich überhöht, verwandelt, stilisiert auftrat. So naturalistisch sich ein Film auch geben mochte, er war ein Konzentrat des Wirklichen, seine Bilder blieben dramatischer und verführerischer als jedes wahre Leben draußen vor der Kinokasse.

Heute hat das Fernsehen seinerseits übermächtige und angeblich noch wirklichkeitsnähere Konkurrenz bekommen, mit dem allseits verfügbaren Streaming bewegter Bilder, bei Youtube oder Netflix, und in der medialen Überhöhung der Virtual Reality. Doch das Kino hatte sein Monopol auf die bewegten Bilder bereits lange vorher verloren. Obwohl es ihm immer noch gelingt, unseren Blick für das Reale zu schärfen – vorausgesetzt, es ahmt die Wirklichkeit nicht nach. Und gerade deshalb liebt die Gegenwartskunst das Kino. Auch sie kann es sich nämlich nicht erlauben, Wirklichkeit nur wiedergeben zu wollen; sie muss die reale Welt überhöhen, verwandeln, dramatisieren, vielleicht sogar schönen, um unserem Blick auf die analytischen Sprünge zu helfen. Damit wir lernen, genauer hinzusehen.

Für eine solche Schule des Sehens scheint der Film immer noch das ideale Medium. Und just deshalb erleben wir zur Zeit in der turbulenten, von Leidenschaft und Krisen gebeutelten Liebesgeschichte zwischen dem starren und dem laufenden Bild, eine hoffnungsfromme Idylle, über die wir, das Publikum, uns nur freuen können. Denn wir dürfen in einer Dimension schwelgen, die es weder im Fernsehen noch im Internet gibt. Und erst recht nicht im sogenannten »wahren« Leben. Denn die Zeit des Kinos, sagt Bernardo Bertolucci, ist ja keine objektive Zeit, keine Echtzeit, sondern sie ist Traumzeit. Und vielleicht ist die Traumzeit des Kinos ja gerade dabei, das Museum zu erobern. Die immer wieder aufflammende Leidenschaft zwi- schen Kino und Kunst ist natürlich nichts Neues. Sie pflegen seit über hundert Jahren eine lange, intensive Liebesgeschichte, in der mal der eine, mal der andere Partner den Ton angibt. Wie jede komplizierte Beziehung kann man auch diese erzählen, vielleicht analysieren, auf keinen Fall aber therapieren – sonst wäre die Spannung raus. Denn beide Partner leben von der Reibung aneinander, sind abwechselnd stark und schwach, Verführer und Verführter.

Eine Kooperation mit KINO DER KUNST, das vom 30. April bis 5. Mai 2019 in München stattfindet.

Weiter im Text von Heinz Peter Schwerfel und zum Programm-pdf der Filmreihe (9. Januar bis 27. Februar 2019). i-cal-Kalenderdatei

EXIT THROUGH THE GIFT SHOP (GB 2010) von Banksy
JR und Agnès Varda in ihrem Film VISAGES, VILLAGES (Frankreich 2017)

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Filmmuseum München

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Vorführzeiten
Dienstag / Mittwoch / Freitag / Samstag / Sonntag 18.30 Uhr und 21.00 Uhr
Donnerstag 19.00 Uhr
Montag keine Vorstellung
Bei Überlänge gelten geänderte Vorführzeiten!

Eintrittspreise
Regulär 4 €
Mitglieder des MFZ 3 €
Aufschlag bei Überlänge oder Sonderveranstaltungen 1 € / 2 €

Rollstuhlfahrer / Hörgeschädigte
Das Kino im Untergeschoss ist über einen Aufzug für Rollstuhlfahrer zugänglich. Die Behindertentoilette befindet sich im Untergeschoss neben dem Kinoeingang. Der Kinosaal ist mit einer Induktionsschleife für Hörgeschädigte ausgestattet.

Programmheft
Das gedruckte Programmheft mit ausführlichen Angaben zu den Filmen ist im Filmmuseum erhältlich.

Sie können das Programmheft und den Spielplan auch herunterladen:
PDF Heft 35 (6. September 2018 - 27. Februar 2019)
PDF Heft 35 Kalenderübersicht
Alle Termine und Filmtexte für Kalender-Apps als webcal (stetig aktualisiert) oder als statischer iCal.
Anleitung bei Problemen mit Google Kalender

Jubiläumsbroschüre (Hg. MFZ 2013)
PDF 50 Jahre Filmmuseum

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