Konrad Wolf

Film und Politik

DER GETEILTE HIMMEL (DDR 1964) (c): DEFA-Stiftung

Den ersten intensiven Kontakt mit Konrad Wolf hatte ich, nachdem er gestorben war. Damals, im Frühjahr 1982, war ich Redakteur der Ost-Berliner Zeitschrift Film und Fernsehen, und es war uns ein Bedürfnis, zur Erinnerung an ihn ein Sonderheft über ihn und seine Filme herauszubringen. Wir baten Freunde, Verwandte und Kollegen, über Wolfs Arbeit, seine Wurzeln, seine Biografie zu reflektieren. Wir holten Stimmen von Regisseuren aus Ost und West ein. Uns gelang es sogar, ein Gespräch mit seinem Bruder zu bekommen, dem geheimnisumwitterten Markus Wolf, der seit Jahrzehnten als Chef des DDR-Auslandsgeheimdienstes fungierte und nun über die Jugendjahre in Moskau sprach. Wolfgang Kohlhaase schrieb damals über Konrad Wolf: »Er war groß, dunkel, schweigsam, viele hielten ihn für schwer zugänglich, aber fast alle nannten ihn Koni, selbst die, die ihn nicht näher kannten.«

Die Regieassistentin Doris Borkmann erinnerte sich an »seine Gründlichkeit, seine Sensibilität gegen Unwahres, seinen Anspruch, seine Unzufriedenheit, wenn andere schon zufrieden waren.« Der Schauspieler Herwart Grosse, den er in PROFESSOR MAMLOCK besetzt hatte, notierte: »Ich habe diesen Mann bewundert wegen seiner Ruhe, die er ausstrahlte, wegen seiner Besonnenheit und Beherrschtheit in allen Lagen, die immer von einem leisen, selbstironischen Humor umspielt war. Überhaupt herrschte Ruhe, wie ich sie weder vorher noch nachher bei Dreharbeiten erlebt habe.« Der Schriftsteller Stephan Hermlin sagte über Wolfs vielleicht wichtigsten Film ICH WAR NEUNZEHN, mit dem sich der Regisseur der Zeit am Ende des Zweiten Weltkrieges genähert hatte: »Dieses merkwürdige, ergreifende Werk war unter allen Kriegsfilmen der am meisten beredte und der verschwiegenste.« Und Wolfs West-Berliner Regiekollege Peter Lilienthal ergänzte: »Es gibt Filme, die von der Macht angesteckt werden, von den Visionen der Herrschenden, infiziert von Ruhm, Sieg und Größe. Nicht die von Konrad Wolf. Überall Staunen über Widersprüchliches und Sinnloses, und über den plötzlichen Verrat der Hoffnung. Ein unzerstörbares Netz von Bedenken, die dem Leben selbst gelten, nicht den Mythen der Macht.«

Konrad Wolf, geboren am 20. Oktober 1925 in Hechingen (Württemberg), war Sohn des jüdisch-kommu-nistischen Arztes und Schriftstellers Friedrich Wolf. Nach einer behüteten frühen Kindheit folgte er dem Vater gemeinsam mit seiner Mutter Else und Bruder Markus ins Moskauer Exil. 1936 erhielt die Familie die sowjetische Staatsbürgerschaft; im selben Jahr wirkte »Koni« in einer kleinen Rolle in Gustav von Wangenheims Exilfilm KÄMPFER mit. 1942 meldete sich der Siebzehnjährige freiwillig zur Roten Armee. Vielleicht ist es ein Brief seines Vaters gewesen, der ihm eine Art Richtschnur für sein Leben gab. Im Oktober 1944, als Konrad Wolf mit den sowjetischen Truppen schon in Richtung Berlin unterwegs war, hieß es dort: »Wenn es schwere Situationen gibt, wo einem keiner raten und helfen kann, da muss man selbst nach seinem Gewissen die Entscheidung mutig fällen und den Weg unbeirrt zu Ende gehen. Der größte Mut ist die Zivilcourage, das heißt in allen wichtigen Dingen seine Überzeugung zu vertreten und seine Meinung zu sagen. Das kann einen gewiss manchmal bei kleinen Geistern missliebig machen; aber letzten Endes ist es das richtige und hat auch den Aufrichtigen niemals gereut.«

Weiter im Text von Ralf Schenk und zum Programm der Filmreihe (9. April – 25. Juni 2019)

Konrad Wolf bei Dreharbeiten zu SOLO SUNNY (1980)
STERNE (1959) (c): DEFA-Stiftung

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