Kino der Adenauerjahre

Besser als sein Ruf

"Schwarzer Kies" (1961) von Helmut Käutner

Zwischen gestern und heute

Das Kino jener Tage, das westdeutsche Kino der 1950er Jahre, in dem die unbewussten Konflikte, Wünsche und Ängste der Menschen in der Adenauer-Zeit eine Projektionsfläche fanden, es verschwindet allmählich aus den TV-Programmen, wo es lange Zeit einen festen, nostalgischen Platz inne hatte. Anderswo taucht es wieder auf: auf Internet-Plattformen und in DVD-Sammlereditionen, als edle Memorabilien für eine ältere Generation. Die jüngeren Cine-Nerds beschäftigen sich eher mit der psychedelischen Fortführung von »Papas Kino« in den 1960er und 1970er Jahren. Das Kino jener Tage, es ist im Grunde immer noch ein cinéma maudit, nicht so verdammt wie das Kino der Nazizeit, eher verlacht und verpönt, auch verurteilt, da die Schuld der Deutschen im »Dritten Reich« nicht verarbeitet worden sei. Es ist ein Kino, das für immer als alt und gestrig eingestuft zu werden scheint. In Altersheimen hängen die Fotos von O.W. Fischer, Maria Schell und »Sissi«, obwohl manche Senioren vielleicht einst die Stones gehört oder gar mit Otto Muehl sympathisiert haben.

Das Spiel der Zeiten. Im letzten Jahr wurde das Kino der Adenauer-Ära noch einmal neu entdeckt: mit einer großen, signalhaften Retro beim Filmfestival von Locarno. Die Filmschau, die dann in erweiterten Formen durch verschiedene deutsche Metropolen tourte, wurde von einer umfangreichen Publikation begleitet, die den programmatischen Titel trägt: »Geliebt und verdrängt. Das Kino der jungen Bundesrepublik Deutschland 1949 –1963«. Dieses Buch, ein Steinbruch von Essays, stimmt jedoch in vielen Teilen nicht mit der rebellischen Attitüde überein, die es sich selbst gibt. Mit Ausnahme weniger Texte wird dem Kino der Adenauer-Ära nicht nur berechtigte Kritik entgegengebracht, sondern vielfach altbekannte Ressentiments. Das Buch vernachlässigt zudem die Geschichte einer filmkritisch-wohlwollenden Rezeption des Kinos der 1950er Jahre, die von Ulrich Kurowskis frühen, kenntnisreichen Erkundungen in der terra incognita jenes Kinos, die 1979 –1981 vom Münchner Filmzentrum veröffentlicht wurden, und Fritz Göttlers elegantem und zugleich verwegenem Aufsatz über das Kino der 1950er Jahre, seine Form, seine Sinnlichkeit, seine Essenz, in der im Metzler-Verlag publizierten »Geschichte des deutschen Films« über Gerhard Bliersbachs Psycho-Studie »So grün ist die Heide. Der deutsche Nachkriegsfilm in neuer Sicht« bis Claudius Seidls Heyne-Filmbuch »Der deutsche Film der 50er Jahre« reicht, einer Filmstudie wie ein B-Picture, die bei einem durchaus differenzierten Lob des Adenauer-Kinos auch als kleine Provokation für damalige Filmkritiker der Frankfurter Schule gedacht war. In der Beschäftigung mit dem Kino der Adenauer-Ära gilt also immer noch Fritz Göttlers Bemerkung aus den 1980er Jahren: »So schlecht kamen die deutschen Filme dieser Zeit weg, dass es lohnen muss, sich wieder überraschen zu lassen von ihnen, der Faszination nachzugeben, den advocatus diaboli zu spielen: Kinogeschichte aus dem Untergrund, der Renitenz und der Resistance...«

Zwei Nullpunkte

Das westdeutsche Nachkriegskino ist gleichsam einbetoniert zwischen zwei Nullpunkten. Gut 15 Jahre zwischen der Stunde Null, dem absoluten Zusammenbruch Deutschlands zu Kriegsende 1945, und dem Oberhausener Manifest, das 1962 den Tod von »Papas Kino« propagierte. Ende und Neubeginn, für immer verknüpft. Ende und Neubeginn nach dem Krieg: Das sind Trümmerfilme, Schmugglerfilme (wie R.A. Stemmles beinahe neorealistischer SÜNDIGE GRENZE), Schwarzmarktfilme, Mordgeschichten, genuine films noirs (wie Hans Müllers HAFENMELODIE). Vor allem sind es schmerzliche Heimkehrerfilme, Illusion in Moll, oder ganz illusionslos.

Weiter im Text von Hans Schifferle und zum Programm der Filmreihe (8. September – 16. Dezember 2017)

"Sündige Grenze" (1951) von Robert A. Stemmle

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Eintrittspreise
Regulär 4 €
Mitglieder des MFZ 3 €
Aufschlag bei Überlänge oder Sonderveranstaltungen 1 € / 2 €

Rollstuhlfahrer / Hörgeschädigte
Das Kino im Untergeschoss ist über einen Aufzug für Rollstuhlfahrer zugänglich. Die Behindertentoilette befindet sich im Untergeschoss neben dem Kinoeingang. Der Kinosaal ist mit einer Induktionsschleife für Hörgeschädigte ausgestattet.

Programmheft
Das gedruckte Programmheft mit ausführlichen Angaben zu den Filmen ist im Filmmuseum erhältlich.

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