Jerzy Skolimowski

Rebel With Cause

"Moonlighting" (GB 1982)

Jerzy Skolimowski ist zur Vorstellung von "Ręce do góry" (Hände hoch!) am Samstag, 26. Mai 2018 um 21.00 Uhr im Filmmuseum zu Gast!

Parallel zur Retrospektive zeigen wir in den Schaukästen im Untergeschoss farbige Originallithographien von Jerzy Skolimowski.

Das polnische Kino der Sixties ist reich an Exzentrikern, und der heute meist mit dunkler Brille als eleganter Rocker-Gentleman auftretende Jerzy Skolimowksi, geboren im Mai 1938 in der Filmstadt Łódź, ist dabei die vielleicht zentralste Figur. Aber auch die unbekannteste. Offen bleibt, ob diese paradoxe Abseitsposition seinem (deutsche Zungen herausfordernden) Namen geschuldet ist oder doch eher die Folge des unüberschaubaren Aktionsradius des Regisseurs, den es von der Autorenfilm-Nouvelle-Vague Polens in den Sechziger Jahren und dem britischem New-Wave-Genrekino der Siebziger Jahre über die internationalen Produktionsstationen BRD, Frankreich und USA zurück in die polnischen Masuren zog. Oder verdankt sie sich gar jener eigenwilligen Verweigerungspose, die Person und Werk Skolimowskis auratisch umgibt?

Die Kollegen, allen voran Roman Polański und der kürzlich verstorbene Andrzej Wajda, können heute jedenfalls als gesetzt gelten, während Skolimowski der vergoldeten Statuetten in Tier- oder Pflanzenform bedarf, um wenigstens gelegentlich in den Fokus der Aufmerksamkeit zu geraten: Nach dem Goldenen Bären 1967 für LE DÉPART (DER START) sowie dem Großen Preis der Jury für THE SHOUT (DER TODESSCHREI) in Cannes 1978 vergab Venedig im Jahr 2016 einen Goldenen Löwen für’s Lebenswerk. Das war zu diesem Zeitpunkt ziemlich genau 50 Jahre rund – allerdings mit knapp zwanzigjähriger Unterbrechung: bis zum Comeback-Doppelschlag mit CZTERY NOCE Z ANNĄ (VIER NÄCHTE MIT ANNA, 2008) und dem Wunderwerk der Vincent-Gallo-als-Taliban-Inszenierung, ESSENTIAL KILLING (2010). Von rund zu sprechen, grenzt außer-dem angesichts der Kanten dieses kontinuierlich verstörenden filmischen Œuvres ohnehin an Blasphemie. Auf »Habitus: kratzbürstig« verweist denn auch das fast furchteinflößende Porträtfoto des Verstellungs- und Altmeisters in der International Movie Database. Nachdenklich, in Rodin’scher Denker-Pose, stützt Skolimowski sein Kinn auf die Hände und richtet seine Augen knapp über den Rand seiner dunklen Brille hinweg auf den Betrachter oder die Betrachterin. Er blickt uns direkt in die Augen, bleibt dabei aber selbst unerreichbar. Natürlich, von Blicken solcher Art handelt jedes Kino. Aber vielleicht ist die Qualität dieses (spürbar sich-verschließenden) Blicks, die sich vom Foto tief hinein in jeden einzelnen seiner Filme auf seine Helden und Heldinnen überträgt, bereits ein Spezifikum seines filmischen Zugangs zur Welt. Eine Dringlichkeit und gleich-zeitig Rätselhaftigkeit haftet dem an. Sich zu entziehen ist unmöglich. Das Moment des Fesselnden liegt dabei weniger in Provokation, Herausforderung oder Gewalt als vielmehr in jener fast introvertierten Nachdenklichkeit, die mal Trotz ist, mal Verzweiflung, mal Hingabe, dann wieder demonstrative Unvernunft oder Entfremdung. Stets aber bleibt: ein heftiges, und doch radikal skeptisches Begehren.

Weiter im Text von Barbara Wurm sowie zum Programm-pdf der Filmreihe (18. Mai bis 24. Juni 2018)

"Ręce do góry" (Hände hoch!), Polen 1967/81
"The Shout" (Der Todesschrei), GB 1978

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Filmmuseum München

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Das Kino im Untergeschoss ist über einen Aufzug für Rollstuhlfahrer zugänglich. Die Behindertentoilette befindet sich im Untergeschoss neben dem Kinoeingang. Der Kinosaal ist mit einer Induktionsschleife für Hörgeschädigte ausgestattet.

Programmheft
Das gedruckte Programmheft mit ausführlichen Angaben zu den Filmen ist im Filmmuseum erhältlich.

Sie können das Programmheft und den Spielplan auch herunterladen:
PDF Heft 34 bis 22. Juli 2018
PDF Kalenderübersicht bis 22. Juli 2018
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