Jeanne Moreau

Eine Hommage

"La mariée était en noir" (Die Braut trug Schwarz) von François Truffaut (1968)

»Ich weiß, ich bin schrecklich«, sagte sie in Paris beim Abendessen nach einem Interview, nachdem sie beim Kellner mit ihrer vom Rauchen verwüsteten Waldhexenstimme eine »etwas beeindruckendere Käseauswahlgefordert hatte. Man fühlte sich wie im Kino, war begeistert von der Eleganz und Klugheit und Leidenschaftmit der Jeanne Moreau weitersprach, über das Spielendas Darstellen, den Auftritt auf der Leinwand und im Leben. »Aber oft bringt es etwas, schrecklich zu sein«sagte sie mit einem Lächeln. Jenem Lächeln, mit dem sie sieben Jahrzehnte durch die Kinogeschichte gewandelt ist und das sie auf der Leinwand in eine maamüsierte, mal verächtliche, mal gelangweilte, stetneben sich stehende Welthaltung verwandelte. Es isdieses rätselhafte, nach innen weisende Lächeln, daJules und Jim in François Truffauts gleichnamigem Film erst auf dem Antlitz einer Büste entdecken und dann auf dem Gesicht der von beiden leidenschaftlich geliebten Catherine. Später wird sie bei Truffaut in LA MARIÉE ÉTAIT EN NOIR (DIE BRAUT TRUG SCHWARZ1968) zum Racheengel, der mit einem auffordernden Lächeln die Mörder ihres Bräutigams verführt und dabei ihrer Schuld überführt. In Tony Richardsons Film MADEMOISELLE (1966) zerquetscht Moreau in ihrewohl eigenwilligsten Rolle ein Vogelnest samt Eiernzerstört dann ein Dorf und ihren Geliebten – mit dem kaum merklichen Lächeln einer Frau, die weiß, das das Leben an ihr vorübergezogen ist, und die dennoch ihre Spuren hinterlassen will.

Über all diesen Facetten ihres Lächelns schwebt stets ihr ureigenes Lächeln einer verzogenen Göre, das sie sich bis ins hohe Alter bewahrte. Und gerne kokettierte sie mit ihrer eigenen Verzogenheit, obwohl sie eigentlich ein zutiefst liebenswürdiger Mensch war. Eine mit ihrer Stadt verwurzelte Pariserin. Tochter einer englischen Folies-Bergère-Tänzerin und eines Bistrobesitzers am Montmartre, die ihre Schauspielkarriere gegen den Willen ihres Vaters begann. Den Kampf gegen diesen Widerstand hat sie einmal als Grundimpuls ihrer Kunst beschrieben. Es war ihr instinktives Interesse an der wirklichen, der ontologischen Verzogenheit des Menschen, das sie schon als gefeierte Nachwuchsschauspielerin dazu brachte, ihre Attraktivität in etwas anderes, Verstörendes zu überführen. Da ist die bereits in jungen Jahren leicht erschöpft wirkende Physis, da sind die wie vom Lebensüberdruss nach unten weisenden Mundwinkel. Da ist dieses unbeteiligte Verhältnis zu ihrem lasziven Körper, der in Louis Malles Film ASCENSEUR POUR L'ÉCHAFAUD (FAHRSTUHL ZUM SCHAFOTT, 1958) zu Miles Davis' existenzialistischen Klängen durch die Pariser Nacht läuft, achtlos zwischen heranschnellenden Autos die Boulevards überquerend. Mit diesem Film noir wurde Jeanne Moreau, längst eine gefeierte Theaterschauspielerin, zum Kinostar. Vor allem aber brachte er ihre unberechenbare Weiblichkeit in die Nouvelle Vague. In der Rolle der Ehebrecherin Florence Carala durchläuft sie in dieser einen Nacht die Höhen und Tiefen eines mörderischen Liebeskomplotts, doch nie weiß man, was hinter ihrer hohen, blassen Stirn vorgeht. Alle ihre Kinofiguren besitzen diese Offenheit und Unberechenbarkeit, nie lässt sich ihr nächster Schritt oder Gedanke erahnen. Das macht sie so herausfordernd anziehend wie gefährlich, hinreißend und auf fatale Weise mitreißend. Tatsächlich hat wohl kaum eine Schauspielerin auf der Leinwand mehr Männer in den Tod gerissen als Jeanne Moreau.

Weiter im Text von Katja Nicodemus aus der ZEIT und zum Programm der Filmreihe (30. November 2018 bis 24. November 2019)

"Touchez pas au grisbi (Wenn es Nacht wird in Paris) von Jacques Becker (1954)
"Nathalie Granger"(1972) von Marguerite Duras

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