Ingmar Bergman

Eine Hommage zum 100. Geburtstag

Ingmar Bergman bei Dreharbeiten zu DAS SIEBENTE SIEGEL (1957)

1960 schreibt James Baldwin, nachdem er im Jahr davor Ingmar Bergman in Stockholm besucht hatte, um ihn zu interviewen: »I realized, with a small shock, that the landscape of Bergman's mind was simply the landscape in which he had grown up.« Für den in New York geborenen afroamerikanischen Intellektuellen muss es zumindest eine kuriose Erkenntnis gewesen sein, dass der international erfolgreiche Regisseur sein gesamtes künstlerisches Potential aus diesem, zumindest damals noch, recht weltfernen kleinen Land schöpfte. Bergman hatte im Sommer das Mittelalterdrama DIE JUNGFRAUENQUELLE (1960), das ihm seinen ersten Oscar bescheren sollte, abgedreht und bereitete die Don Juan-Komödie DAS TEUFELSAUGE (1960) vor. Zehn Jahre zuvor hatte Bergman zuallererst aus finanziellen Gründen für Svensk Filmindustri einen Politthriller im Stil der Schwarze-Serie-Filme gedreht. Physisch zwar in Schweden angesiedelt, hatte der Film inhaltlich und emotional aber nichts mit dem Regisseur zu tun. MENSCHENJAGD (1950) sollte, indem man die in Hollywood schon erfolgreichen schwedischen Schauspieler Signe Hasso und Alf Kjellin reimportierte, den Weltmarkt erobern. Er endete als Fiasko, Bergman nannte ihn seinen schlechtesten Film und erteilte später Aufführungsverbot.

Eine Voraussetzung für das filmische Werk des 1918 in Uppsala nördlich Stockholm geborenen Schweden war die tiefe Verwurzelung in »seiner« schwedischen Kultur und Tradition. Bergman, der ja zunächst beim Theater angefangen hatte und diesem Medium im Gegensatz zum Kinofilm bis ins hohe Alter treu blieb, nannte stets als seine größten Vorbilder den schwedischen Filmpionier Victor Sjöström und den schwedischen Dramatiker August Strindberg. Eine weitere prägende Instanz war die bürgerlich-protestantische Familie, der er entstammte. Die beinahe lebenslange Auseinandersetzung mit der väterlichen Autorität – Bergmans Vater war evangelischer Pastor – und die zumindest für die erste Hälfte des Werkes bis in die 1960er Jahre hinein bestimmende Frage nach der Existenz Gottes, die Bergman dann in DAS SCHWEIGEN (1963) für das Publikum eher rätselhaft verschlüsselt beantwortete, wurzeln in diesem familiären Kontext. Er selber betrachtete diesen Film als eindeutig negative Antwort auf diese existenzielle Grundfrage und fühlte sich fortan davon befreit, wie man Interviews oder auch seiner Autobiografie »Laterna Magica« entnehmen kann. Besonders die Gottessuche und die sich um dieses Thema gruppierenden Filme wie DAS SIEBENTE SIEGEL (1957), DIE JUNGFRAUENQUELLE oder DAS SCHWEIGEN setzen bis heute den Ton, wenn es darum geht, einen typischen Bergman-Film zu charakterisieren. Generationen von Filmwissenschaftlern haben sich mit diesen in harten Schwarzweißkontrasten gedrehten Dramen auseinandergesetzt. Leicht übersehen wird dabei, dass sich dem Drama zumindest in DAS SIEBENTE SIEGEL mit der Gauklertruppe, die dem mit dem Tod Schach spielenden und Gott suchenden Ritter begegnet, ein leichter und oft amüsanter Aspekt hinzugesellt, wenn nicht gar entgegenstellt. Es sind die von Bergman geliebten und verehrten Schauspieler, die das Leben und die Freude daran symbolisieren und zum Ausdruck bringen und deren Figuren stets mit großer Liebe von ihrem Schöpfer, dem Drehbuchautor Bergman, behandelt werden.

Weiter im Text von Nils Warnecke und zum Programm der Filmreihe (21. September bis 9. Oktober 2018)

DAS LÄCHELN EINER SOMMERNACHT (1955)
ABEND DER GAUKLER (1953)

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