Herbert Achternbusch

Eine Hommage zum 80. Geburtstag

Obrigkeit ist ihm zuwider, vor allem die institutionelle: Kirche und Staat sind seine Hauptangriffsziele. Weshalb er speziell von CSU-Seite, den Gralshütern abendländisch-bayrischer Kultur, immer wieder angefeindet wurde. Das ging soweit, dass der christsoziale Bundesinnenminister Zimmermann Fördergelder verweigerte, die Herbert Achternbusch wegen eines Bundesfilmpreises für DAS LETZTE LOCH (1981) eigentlich zustanden: Der nachfolgende Film DAS GESPENST (1982) wurde als höchst blasphemisch angesehen, und Achternbusch musste über zehn Jahre für die Auszahlung der Gelder gegen die Bundesrepublik prozessieren – letztendlich erfolgreich. Dazu kommt ein quälendes Bewusstsein von den Sünden der deutschen Vergangenheit und einer gleichgültigen Gesellschaft, auf die man nur mit Abscheu reagieren kann. In DAS LETZTE LOCH fragt Hauptfigur Nil, der sich ab und an als Detektiv ausgibt und dem Mord an 6 Millionen Juden nachgeht, einen Arzt in der Sprechstunde: Wie viel Schnaps muss man eigentlich trinken, um die Schuld an 6 Millionen Toten zu vergessen? Und der Arzt rechnet, kommt auf eine ziemlich hohe Zahl, die noch dazu (wegen eines Dritteljuden, der nicht so recht in die Rechnung passen will) krumm ist, für die er dem Nil aber ein Rezept auf immense tägliche Alkoholrationen ausstellt. Und wenn man jetzt nachrechnet, wo bei dieser Arithmetik der Fehler liegt – 2 cl Schnaps pro totem Juden ergeben halt beim besten Willen keinen Drittel Restjuden: dann ist man schon in die Falle gelaufen, die hier gestellt wird, dass man als Zuschauer tatsächlich die Toten aufrechnet – und damit relativiert.

Neben der Schwere einer ins Absurden getriebenen Ernsthaftigkeit ist Achternbusch zugleich witzig; wirklich witzig. Seine Filme sind absonderliche Mischungen aus klarer, brutaler, kritischer Gesellschaftsanalyse und absurd-komisch-anarchischen Episoden, die vor billigsten Kalauern und schlechtesten Scherzen nicht zurückschrecken. Das Komische ist dabei nicht einfach der Zucker, mit dem die Säuerlichkeit des allseitigen Grantelns halbwegs genießbar gemacht werden soll, oder ein kokettes Spiel mit dieser seiner Außenseiterhaltung, die er sich teils selbst gewählt hat, in die er teils hineingepresst wurde. Witz und Ernsthaftigkeit arrangieren sich vielmehr zu einem Zusammenspiel zwischen gegenseitiger Verstärkung und Widerspruch, zielen mal gemeinsam auf dasselbe, um dann wieder ganz auseinanderzustreben. Eine schillernde Ambivalenz, die zur beabsichtigten Verunsicherung des Zuschauers führt, was denn nun eigentlich wirklich und tatsächlich gemeint sei mit diesem Film.

Weiter im Text von Harald Mühlbeyer und zum Programm der Filmreihe (19. Oktober bis 25. November 2018)

DAS ANDECHSER GEFÜHL (1975)
SERVUS BAYERN (1978)

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