Georg Wilhelm Pabst

Eine Retrospektive

"Die Büchse der Pandora" (1929) mit Louise Brooks als Lulu

G.W. Pabst – da wollen einem gleich mehrere Schlagworte einfallen, die sich wie Etiketten auf verschiedene Epochen der deutschen Filmgeschichte, in denen er tätig war, heften lassen. Zum einen gilt Pabst als »Regisseur der Neuen Sachlichkeit«, beginnend 1925 mit seinem dritten Film DIE FREUDLOSE GASSE, kulminierend mit DIE BÜCHSE DER PANDORA (1928) und TAGEBUCH EINER VERLORENEN (1929). Es gibt den »roten Pabst«, der sich mit WESTFRONT 1918 (1930) gegen den Krieg wandte und sich bei DIE 3-GROSCHEN-OPER (1931) mit Brecht beschäftigte. Pabst drehte im Exil, sogar in Hollywood, kehrte aber 1939 nach Wien zurück, um unter den Nazis zwei Filme – KOMÖDIANTEN (1941) und PARACELSUS (1943) – zu inszenieren. In Westdeutschland klingt seine Karriere mit Filmen über das »Dritte Reich« – ES GESCHAH AM 20. JULI (1955) und DER LETZTE AKT (1955) – aus. Eine Einordnung des Regisseurs macht das nicht gerade leicht. Zu erratisch, ohne erkennbare Verstrebungen, scheinen die einzelnen Filme nebeneinander zu stehen, von Geschlossenheit kann keine Rede sein, eher von Widersprüchen, die sich nur schwer vereinen lassen: Wie passen ein Drama wie DIE LIEBE DER JEANNE NEY (1927) und der Antikriegsfilm KAMERADSCHAFT (1931) zusammen, wie DON QUICHOTTE (1932) und DER PROZESS (1948)?

Eigentlich gilt Pabst, zusammen mit Fritz Lang, F.W. Murnau und Ernst Lubitsch als einer der großen Regisseure des deutschen Stummfilms. Und trotzdem ist ein Kapitel in der Monografie, die 1997 anlässlich der Pabst-Retrospektive in Berlin erschien, mit »Der große Unbekannte« überschrieben. Man kennt seine Klassiker, aber nicht all seine Filme. Auch das macht es schwer, so etwas wie Homogenität im Pabst-Œuvre zu entdecken. Pabsts Filmografie ist uneben.

Rückblende. Georg Wilhelm Pabst wird am 27. August 1885 im böhmischen Raudnitz (heute Roudnice nad Labem) geboren. Er wächst in Wien auf, nimmt dort am Staatlichen Konservatorium zwei Jahre lang Schauspielunterricht und erhält 1904 sein erstes Engagement am Kurtheater Baden bei Zürich. 1910 geht er in die USA, um in New York und anderen Städten an deutschsprachigen Theatern zu spielen. Als er 1914 während des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges nach Europa zurückkehren will, wird er auf dem holländischen Dampfer »New Amsterdam« von der französischen Marine als feindlicher Ausländer verhaftet. Vier Jahre verbringt in einem Kriegsgefangenlager bei Brest, wo er ein Theater leitet. Nach dem Krieg kommt Pabst nach Wien zurück und wird Spielleiter an der experimentellen Neuen Wiener Bühne. Er lehnt das Angebot, Direktor des berühmten Burgtheaters zu werden, ab und geht statt dessen 1922 mit Carl Froelich, für den er zwischenzeitlich als Schauspieler und Regieassistent gearbeitet hatte, nach Berlin.

1923 gibt G. W. Pabst mit DER SCHATZ sein Regiedebüt. Lotte Eisner hat in ihrem Buch »Die dämonische Leinwand« dem Film gleich drei Seiten gewidmet. »Pabst macht sich im SCHATZ alle expressionistischen Formelemente zunutze: Das Haus des Glockengießers ist niedrig, aufgedunsen, strukturlos, eine lehmartige Masse. Tief lastet die Decke, die Halle ist unheimlich dumpf wie ein Grabgewölbe; hier fühlt man das Vorbild des GOLEM am stärksten durch«, schreibt sie. Und Lee Atwell merkt in seiner Pabst-Monografie von 1977 an: »Der kumulative expressionistische Effekt wird noch verstärkt durch Otto Tobers brillante Manipulation von Licht und Schatten und Pabsts dramatische Konfrontation von Korruption und Unschuld, ein Thema, zu dem er im Verlauf seiner Karriere immer wieder zurückfindet.«

Weiter im Text von Michael Ranze und zum Programm-pdf der Reihe (5. Januar bis 28. Februar 2018)

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"Die 3-Groschen-Oper" (1931)
"Kameradschaft" (1931)

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