Film und Psychoanalyse

Die Nacht

"The Night of the Hunter" (USA 1955) von Charles Laughton

Vor allem Anfang war die Nacht. Ob die Nyx der griechischen Mythologie mit ihren beiden Kindern Hypnos (Schlaf) und Thanatos (Tod) oder die Genesis mit »Es werde Licht«, die Entstehungsmythen der Menschheit drücken stets die Sehnsucht aus, das Dunkel der Nacht zu überwinden. Nachts erwacht eine eigene Welt der Träume, Ängste, Erscheinungen, Verwandlungen, Grenzüberschreitungen. Nachts erscheinen Probleme unlösbar, Ängste überwältigend, Krankheiten vernichtend. Aber die Nacht umfängt auch die Liebenden, schützt den Schlaf und die Träume, erquickt nach der Helligkeit und Hitze des Tages und zeigt das zauberhafte Firmament.

Der film noir, ein Paradox innerhalb des Lichtmediums Film, ist ein nächtliches Genre par excellence. Nicht nur, weil Handlung, Atmosphäre und Protagonisten nachtschwarz gezeichnet sind, sondern weil der Film noir harte visuelle Kontraste, auffallende Licht-Schatten-Effekte und Schattierungen von Schwarz als stilistische Charakteristika einsetzt. Hier ist die Nacht die Zeit der Entwurzelten und Getriebenen, der Schlafwandler und Schattenwesen, der Träumer, Liebenden, Rächer und Mörder. Die Nacht war und ist Thema der Künste. Romane des Schauerlichen in der Romantik, Poesie, Musik und Film versuchen ihren Zauber zu erfassen. Auch Freuds »Die Traumdeutung« und sein Aufsatz »Das Unheimliche« zeigen die Bedeutung, die er dem menschlichen Erleben der Nacht zumaß. Die Filme, die wir für diese Staffel von »Film und Psychoanalyse« ausgewählt haben, setzen Nacht und Dunkel nicht nur als Stilmittel ein, sondern beides hat als »Quasi-Protagonist« eine eigene dramaturgische Rolle – als Metapher für das Schicksalhafte, Traumhafte oder Depressive, für Einsamkeit und Verstrickungen aus der Vergangenheit, für die Vergeblichkeit von Illusionen. Oder einfach für eine rein durch die Nacht erzeugte elegische Stimmung, die Folgen hat. Das Streulicht der Städte zwingt uns heute, in entlegene Weltgegenden zu reisen, um vollkommenes nächtliches Dunkel zu erleben und einen Nachthimmel, der das gewaltige Universum erahnen lässt ... Oder wir gehen ins Kino, wo das Dunkel des Saals mit dem finsteren Geschehen auf der Leinwand verschmilzt.

Katharina Leube-Sonnleitner

Zum Programm-pdf der Filmreihe (28. Oktober2018 bis 17. Februar 2019)

 

Nächster Termin:

Le cercle rouge (Vier im roten Kreis)
Frankreich 1970 | R+B: Jean-Pierre Melville | K: Henri Decaë | M: Éric Demarsan | D: Alain Delon, Gian Maria Volontè, Yves Montand, André Bourvil, Paul Crauchet | 150 min | OmU

Ein frisch aus der Haft entlassener Krimineller, ein Untersuchungshäftling auf der Flucht, der ihn jagende Kommissar und ein Ex-Polizist befinden sich in einem schicksalhaften Kreisfeld. In diesem wirken die Topoi Loyalität und Verrat. Melvilles erfolgreichsten Film durchzieht eine nächtliche Melancholie, die sich in einer fast schwarz-weiß wirkenden verwaschenen Farb-gebung ausdrückt. Und wenn es nicht gerade Nacht ist, so ist der Tag, als habe man nicht geschlafen. Der vielleicht am lakonischsten erzählte Juwelenraub der Filmgeschichte, nachts an der Place Vendôme, stylish still und mit minimaler signifikanter Tonspur, steht für Melvilles typische Darstellung effektiver männlicher Kooperation nach Planung und wortlosen Verständnisses.

Sonntag, 25. November 2018, 17.00 Uhr
Einführung: Salek Kutschinski, Mathias Lohmer

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PDF Heft 35 Kalenderübersicht
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