DOK.fest

Retrospektive Helga Reidemeister

Helga Reidemeister in Afghanistan. (c): Lars Barthel

Philanthropin und Filmemacherin

Der Inflation des Faktischen setzt Helga Reidemeister in ihren Filmen die Realität des Erlebten entgegen: Ihr präziser und unbestechlicher Blick auf scheinbar Unwesentliches offenbart den Kern menschlicher Beziehungen. Im Rahmen des 33. DOK.fest München präsentiert die Retrospektive einen Querschnitt durch vier Jahrzehnte ihres filmischen Schaffens. Erst spät findet Helga Reidemeister nach einem Studium der Malerei im Dokumentarfilm ihr künstlerisches Medium. Doch bereits die ersten Filme tragen ihre unübersehbare Handschrift: Als Filmemacherin ist sie zugleich Verbündete ihrer HeldInnen und Chronistin der Ereignisse. Dahinter steckt die tiefempfundene Erkenntnis, dass das Private immer auch politisch ist und keine Geschichte zu klein, um Rückschlüsse auf das Große und Ganze zuzulassen. VON WEGEN SCHICKSAL, ihr beeindruckender Abschlussfilm, der 1979 auf Anhieb den Deutschen Filmpreis erhält, begleitet die Protagonistin bei der Emanzipation von ihrem Mann und dem Kampf um ein selbstbestimmtes Leben – gegen den Widerstand der eigenen Kinder. Auch das nächste Projekt wirft einen Blick hinter die Kulissen des Privaten: MIT STARREM BLICK AUFS GELD (1983) ist die schonungslose Auseinandersetzung Helga Reidemeisters mit ihrer Schwester, die als Fotomodell einen ganz anderen Lebensweg eingeschlagen hat.

Ab Anfang der 1990er Jahre rücken zunehmend globalere gesellschaftliche Zusammenhänge in ihr Blickfeld: Nach 47 Jahren Besatzungszustand dokumentiert RODINA HEISST HEIMAT (1992) den Abzug der sowjetischen Streitkräfte aus der DDR und den Aufbruch in eine Zeit der Verunsicherung. GOTTESZELL – EIN FRAUENGEFÄNGNIS (2001) berichtet wenige Jahre später aus dem extremen wie zermürbend eintönigen Gefängnisalltag. Die 2000er Jahre führen Helga Reidemeister schließlich bis zum Hindukusch. So zeugt das politische Roadmovie TEXAS KABUL (2004) – entstanden in einem inneren und äußeren Ausnahmezustand nach 9/11 – vom Prinzip Hoffnung in kriegerischen Zeiten. SPLITTER AFGHANISTAN (2013) erzählt zehn Jahre danach vom Kampf um die Würde der Menschen in einem vom Krieg zerrissenen Land.

Helga Reidemeister wird ihre Werkschau in München leider nicht persönlich vorstellen können. In den Filmgesprächen werden enge WeggefährtInnen Einblicke in die Arbeitsweise der Regisseurin geben. Weitere Informationen dazu und zum gesamten Festivalprogramm ab Mitte April unter www.dokfest-muenchen.de

Daniel Sponsel

Donnerstag, 3. Mai 2018 bis Sonntag, 13. Mai 2018

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Das gedruckte Programmheft mit ausführlichen Angaben zu den Filmen ist im Filmmuseum erhältlich.

Sie können das Programmheft und den Spielplan auch herunterladen:
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PDF Kalenderübersicht bis 22. Juli 2018
Termine und Filmtexte als Webcal für Smartphone, Tablet, PC (stetig aktualisiert)
PDF Heft 33
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PDF Kalenderübersicht bis 28. Februar 2018
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