David Lynch

Eine Retrospektive

"David Lynch: The Art Life" (2016)

Was ist das Besondere an David Lynch? Abgesehen davon, dass er ein paar veritable Kultfilme geschaffen hat, Filme, wie ERASERHEAD, BLUE VELVET oder die TV-Serie TWIN PEAKS, die aus merkwürdigen Gründen (denn im klassischen Sinn zu »verstehen« hat sie ja nie jemand gewagt) die genau richtigen Bilder zur genau richtigen Zeit zu den genau richtigen Menschen brachten, und abgesehen davon, dass er in einer bestimmten Periode etlichen Cineasten den Glauben daran zurückgegeben hat, in der Black Box Kino könnten noch wirklich aufregende Dinge passieren, jenseits von Action, Feelgood und traditioneller »Filmkunst«: David Lynch ist einer der radikalsten Autoren des Films, einer, der auch die Grenzen eines »Autorenfilms« überschreitet, was ja immer noch bedeutet, bestimmte Codes und Traditionen des Kinos, wenn auch in eigener Handschrift, zu respektieren. Das Kunststück von David Lynch besteht in einer Verbindung von Kunst und Film, die eindeutig von der Seite der Kunst her passiert. Hier hat die Kunst sich nicht ins Kino geschlichen, hier hat die Kunst das Kino gekapert. Das ging, was die ästhetische Ökonomie dieser Verbindung anbelangt, ein paar mal erstaunlich gut, und ein paar mal ist es, zum Leidwesen der Lynch-Gemeinde, auch gründlich schief gegangen. David Lynch macht keine Filme für das Kino mehr, sagt er, weil das Kino heute wieder anders funktioniert; für einen wie ihn ist da kein Platz. Aber deswegen hat Lynch ja nicht seine Kunst aufgegeben, und nicht einmal das Filmen. Es ist nur so, dass das Mainstream-Kino den Kaperversuch durch die Kunst ziemlich fundamental abgeschlagen hat. Jetzt den Filmen von David Lynch noch einmal wieder zu begegnen, ist ein Glücksfall.

Danach muss man sich zum Fernsehapparat oder ins Museum bemühen. (Und grimmig die Propaganda des Künstlers für den Unfug transzendentaler Meditation herunterschlucken; »nobody is perfect.«) Was also ist das Besondere an David Lynch? Seine Arbeit geschah und geschieht nach den »Spielregeln der Kunst«, die bekanntlich in ihrer eigenen Schöpfung und zugleich in ihrem eigenen Bruch bestehen. Man erkennt einen David-Lynch-Film auf Anhieb, aber niemals hat David Lynch einen »David-Lynch-Film« gedreht. Bestimmte Motive (sagen wir: Stehlampen, Hotelflure, die Farbe Rot, Hauchgesänge von Frauen, das industrielle Rauschen, visuelle Americana), bestimmte Figuren (die Frau im Mehrfachleben, der Kobold, Kyle MacLachlan als Stellvertreter in einer magischen Biographie - weniger, was ein Leben als vielmehr, was das Suchen und Erkennen anbelangt, Väter und Polizisten), bestimmte Plot-Fragmente (die nie auflösbare Intrige, die Suche als Sturz in den Abgrund, die Verbindung von Gewalt und Design) kehren in wechselnden Kompositionen wieder, ganz zu schweigen von Techniken wie dem nicht-linearen Erzählen, dem Eindringen in die verborgenen Innenwelten von Milieus und Menschen, der Grenzüberschreitung von Traum und Realität. Aber jeder Film von David Lynch stellt sich doch auch wieder einem ganz anderen Problem, unternimmt etwas Neues, überrascht noch die treuesten Fans. Zu David Lynch kann man nicht »zurückkehren«, wie man zu Federico Fellini, zu Blake Edwards, zu Akira Kurosawa oder John Ford zurückkehren konnte. Nicht einmal nach TWIN PEAKS konnte man so zurückkehren wie in eine narrative Heimat.

Weiter im Text von Georg Seeßlen und zum Programm der Filmreihe (14. September - 18. Oktober 2017)

"The Elephant Man" (1980)
"Blue Velvet" (1986)
"Wild at Heart" (1990)

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