Das andere Kino 1968

"Besonders wertvoll"

"Adolf Winkelmann, Kassel, 9.12.1967, 11.54 h" von Adolf Winkelmann

Vor 50 Jahren, genau: vom 16. bis 18. Februar 1968 fand in einem alten Kino in der Grindelallee die erste Hamburger Filmschau statt. Gezeigt wurden in drei Tagen und Nächten alle eingereichten Filme, ohne Auswahlgremien oder Beschränkungen wie bei den etablierten Festivals in Oberhausen und Mannheim, die 1967 viele Werke des jüngsten Filmnachwuchses nicht zugelassen oder in Nebenprogramme verbannt hatten. Helmut Herbst, einer der Organisatoren und engagierter Filmemacher, definierte Das andere Kino sehr weitgefasst:

1. Filme mit einem hohen Anteil an Innovation, die von den traditionellen Gewohnheiten des Film- konsums benachteiligt werden.

2. Politische Filme, die wegen ihrer System-Kritik bisher keine Chance hatten.

3. Filme, denen die sogenannten bürgerlichen Sittengesetze gleichgültig sind.

4. Filme, die eher dem Bereich der bildenden Kunst zuzurechnen sind als den traditionellen Filmkategorien, denen die Filmkritik hilflos gegenübersteht.

5. Filme, die wegen ihrer ungewöhnlichen Technik (z.B. 16mm-Filme, Mehrfachprojektionen, Inter- medium etc.) eine neue Vertriebs-Organisation benötigen.

Dietrich Kuhlbrodt schreibt rückblickend: »Die erste freie, unabhängige Filmschau. In diesen drei Tagen bot sich bereits das komplette Bild eines Neuen Deutschen Films. Und, zurückgeblickt, es war als Einheit, als ein Anderes, so deutlich und so schön, wie später nicht wieder.« In der »Westdeutschen Allgemeinen Zeitung« gab Winfrid Parkinson im Mai 1968 die Aufbruchsstimmung der Filmemacher wieder, die von Überschwang und großen Hoffnungen geprägt war: »Parallel zu der Entwicklung in den Vereinigten Staaten des New American Cinema entstand in den letzten Jahren in Deutschland eine neue Art von Filmen, die auf Festivals, in Museen, Galerien und Filmklubs bereits ein großes Publikum gefunden hat. Diese Filme brechen zum Teil mit den hergebrachten Formen der Vorführung und stehen der Bildenden Kunst oft näher als den traditionellen Filmkategorien. Die sogenannten bürgerlichen Sittengesetze sind ihnen meist gleichgültig oder werden von ihnen hemmungslos aufs Korn genommen.

Wegen der formalen Eigenwilligkeit und der Systemkritik, die fast allen diesen Filmen eigen sind, werden sie von breiten Kreisen der Filmkritik nur allzu gern über einen Kamm geschoren und als Spielereien, Provokationen oder gar ›Ferkeleien‹ abgetan. Die Filmmacher glauben aber, dass ihre Filme auf die Dauer einen erheblichen gesellschaftlichen Effekt erzielen, dessen Wirkung durchgreifender ist, als man bei oberflächlicher Betrachtung glauben mag. Ihr Ziel ist es, die ›etablierte Filmkultur, die sich mit Hilfe von Selbstkontrolle, Bewertungsstelle und Filmförderungsgesetz am Leben hält, durch eine eigene Verleihorganisation zu überrunden‹. Diese Verleihorganisation, die sogenannte Cooperative unabhängiger Filmemacher, erlaubt schon jetzt kleinen Gruppen Interessierter, diese Filme zu erschwinglichen Preisen zu entleihen. Auf dem IV. Experimentalfilmfestival, das im Dezember 1967 in Knokke stattfand, traten Lutz Mommartz, Werner Nekes und Hellmuth Costard zum ersten Mal mit ihren Filmen in den internationalen Wettbewerb. Einige dieser Filme wurden mit Preisen ausgezeichnet, u.a. Mommartz für SELBSTSCHÜSSE.

Weiter im Text von Stefan Drößler und zum Programm-pdf der Filmreihe (10. Januar bis 28. Februar 2018)
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