Cate Blanchett

Die Vieldeutige

"Elizabeth" (GB 1998) von Shekhar Kapur

 

Am Ende war ihr Aufenthalt in Berlin also doch für etwas gut. Zwar spielt Cate Blanchett in MONUMENTS MEN eine der ganz wenigen undankbaren Rollen ihrer Karriere. Aber die Drehpausen nutzte sie fabelhaft: Sie nahm das Angebot des Berliner Künstlers Julian Rosefeldt an, in seiner Installation MANIFESTO mitzuwirken. Blanchett leiht darin ihre darstellerische Intensität an ein einzigartig ambitioniertes Projekt aus: Sie zitiert aus zentralen revolutionären künstlerischen Manifesten des 20. Jahrhunderts. Zwölf unterschiedliche Rollen erweckt sie dabei zu filmischem Leben und zeigt ebenso viele Facetten ihrer Schauspielkunst. Blanchetts Gesicht ist keine Projektionsfläche, sondern ein Spielfeld von Aufruhr und Widerspruch. Nicht immer trägt sie ein weibliches Antlitz. Sie verkörpert eine Immobilienmaklerin, eine Managerin, eine russische Choreografin, auch einen Obdachlosen. Zweifellos hat sich Rosefeldt daran erinnert, wie bravourös sie sich bereits in Todd Haynes’ I’M NOT THERE in eine männliche Figur eingefühlt hat: Dort ist sie eine der sechs Inkarnationen von Bob Dylan. Die Installation profitiert nicht nur von der Wandlungsfähigkeit der australischen Schauspielerin, sondern auch von der Bereitschaft, sich von ihrer außerordentlichen, leuchtenden Schönheit nicht auf bestimmte Rollen festlegen zu lassen. Die Neugierde und Empfindsamkeit dieser Künstlerin, die ursprünglich Wirtschaft und Kunst studierte und zeitweilig gern Architektin geworden wäre, will sich nicht beschränken. Gemeinsam mit ihrem Mann nahm sie die Herausforderung an, in Sydney ein Theater zu leiten, das weltweit gefeierte Gastspiele gibt. Cate Blanchett traut man den gleichen Mut zu, sich auf verwegene Abenteuer einzulassen, der auch ihre Figuren auszeichnet.

Ein glaubwürdiger Anachronismus

Das gilt bereits für ihre erste große Kinorolle in OSCAR AND LUCINDA, der Chronik einer sanften Liebesverrücktheit, einer wunderlichen Anziehung. In Gillian Armstrongs leichtfüßiger Romanadaption, die im 19. Jahrhundert spielt, bildet Blanchett das robuste Gegenbild zu Ralph Fiennes als englischem Pastorensohn Oscar, dem der religiöse Eifer des Vaters Schuldgefühle eingeflößt hat, an denen er sein Leben lang zu tragen hat. Ihr Körperspiel, entschlossener Gang und wacher Blick wirken ungemein modern: Lucinda ist eine Vorbotin weiblicher Selbstbestimmung. Durch den Tod ihrer Mutter erbt sie ein Vermögen. Ihre erste Liebe gilt dem Glasspielzeug, weshalb sie kurzerhand eine marode Glashütte in Sydney aufkauft und zu einer mutigen und geschäftstüchtigen Unternehmerin wird. Auch im Privatleben entwickelt sie sich zu einer Hasardeurin, die sich arglos über die moralischen Verschnürungen ihrer Zeit hinwegsetzt. Gemeinsam mit Oscar entdeckt sie die Begeisterung fürs Glücksspiel, was für eine Dame der Gesellschaft ein höchst anrüchiger Zeitvertreib ist. Blanchett deutet ihn nicht als selbstzerstörerische Passion, sondern als Spielfeld der Komplizenschaft.

Weiter im Text von Gerhard Midding und zum pdf mit den Film- und Termininformationen (29. März bis 14. Juni 2017)

Die Termine und Inhalte der Reihe für Kalender-Apps (ICS)

Cate Blanchett als Katharine Hepburn in Martin Scorseses "The Aviator" (2004)...
... und als Bob Dylan in "I'm not there" (2007) von Todd Haynes.

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