Cary Grant

Porträt eines Gentleman-Actors

Das Privileg der Aufmerksamkeit
»Das Leben ist heute morgen in dieses Haus hineinspaziert!« jubelt Katharine Hepburn in HOLIDAY, nachdem sie ihn zum ersten Mal gesehen hat. Gleich mehrere Kinogenerationen teilten ihr Entzücken, denn mit Cary Grant hielt die kultivierte Ausgelassenheit Einzug in Hollywood. Er erhob die Lebenslust zu einer noblen, vielschichtigen Tugend. Seine Filme sind Lektionen in Vitalität; ihre demokratische Botschaft ist die Mühelosigkeit, mit der sich Charme, Esprit und Stil erwerben lassen.

Grants Witz braucht freilich scharfsinnige, aufgeweckte Zuschauer. Dieser Komödiant denkt nach, bevor er spricht und handelt. Sein Lächeln verrät eine amüsierte, niemals engherzige Skepsis angesichts der menschlichen Natur. Die absurde Einrichtung der Welt bringt ihn selten in Verlegenheit. Die Strategie seiner besten Komödienregisseure – darunter George Cukor, Leo McCarey und Stanley Donen – bestand aber darin, ihn peinlichen, ja demütigenden Situationen auszusetzen und abzuwarten, ob er die Fassung verliert. Für Blake Edwards musste er in OPERATION PETTICOAT ein rosa gestrichenes U-Boot befehligen und Howard Hawks steckte ihn gern in Frauenkleider. Dreieinhalb Jahrzehnte lang leistete er munteren Widerstand gegen gesellschaftliche Konventionen. Er war der einzige Star der aberwitzig romantischen Screwball Comedies der 1930er Jahre, der seine Rolle auch in der Nachkriegszeit glaubwürdig weiterspielen konnte. Sein blendendes Aussehen, der raue, aber verbindliche sonore Klang seiner Stimme und die Eleganz seines Auftretens entsprachen nicht nur weiblichen Wunschvorstellungen von männlicher Anmut: John F. Kennedy und Cole Porter wünschten sich gleichermaßen, dass Grant sie auf der Leinwand verkörperte. Raymond Chandler hätte es gern gesehen, wenn er seinen Philip Marlowe gespielt hätte. Er war auch die erste Wahl der Produzenten, als James Bond das Licht der Leinwand erblicken sollte.

Entspannte Souveränität
Er stammte aus der britischen Arbeiterklasse. Als Archibald Alexander Leach wurde er 1904 in Bristol geboren. Die Ehe der Eltern war zerrüttet, seine Kindheit unglück-vlich und kurz (auf der Leinwand sollte er sie vergnügt verlängern). Als Halbwüchsiger schloss er sich einer Artistentruppe an und entschied nach einem Gastspiel in den USA, dort zu bleiben. Anfangs arbeitete er als Ausrufer in Vergnügungsparks und trat im Vaudeville auf. 1927 bekam er seine erste richtige Bühnenrolle, fünf Jahre später nahm ihn Paramount unter Vertrag. Es brauchte zwei Dutzend Filme, bis er endgültig zum Star wurde. Aber schon in diesen Lehrjahren wirkt er ausgereift: Neben Mae West ist er der einzige wirklich entspannte Darsteller in SHE DONE HIM WRONG. Grants Bewegungen sind ungemein geschmeidig, sein Körper ist elastisch wie der eines Akrobaten; auch die langen Arme sind ihm nie im Weg. Nicht von ungefähr lautet der Spitzname des ehemaligen Einbrechers, den er in TO CATCH A THIEF spielt, »Die Katze«.

Weiter im Text von Gerhard Midding und zum Programm-pdf der Reihe (10. April bis 27. Juni 2018)

Eröffnet wird die Retrospektive am 10.4.18 um 18.30 Uhr mit dem Dokumentarfilm:
Becoming Cary Grant
Frankreich 2017 | R: Mark Kidel | B: Mark Kidel, Nick Ware | K: Jean-Marie Delorme | M: The Insects, Adrian Utley | Mit: Jennifer Grant, Barbara Jaynes, Judy Balaban, David Thomson, Mark Glancy | 85 min | OF 

Um zu erzählen, wie aus Archibald Alexander Leach sukzessive Cary Grant wurde, verwendet der eindrucksvolle Film Grants private 16mm-Filmaufnahmen und seine eigenen Aufzeichnungen, die im Rahmen von Psychotherapiesitzungen unter Verwendung von LSD entstanden sind. Beides ermöglicht einen einzigartigen Einblick in das Private und Unterbewusstsein des Hollywood-Stars. Auf die Anmerkung eines Journalisten, dass jeder gerne so sein würde wie Cary Grant, antwortete Cary Grant einmal angeblich: ›Ja, ich auch.‹ Es hat lange gedauert, bis er sich mit der Kunstfigur arrangierte, die er verkörperte. Und noch länger, bis er seinen inneren Frieden fand.

"His Girl Friday" (1940) von Howard Hawks
Dreharbeiten zu "Suspicion"(1941) von Alfred Hitchcock

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Das gedruckte Programmheft mit ausführlichen Angaben zu den Filmen ist im Filmmuseum erhältlich.

Sie können das Programmheft und den Spielplan auch herunterladen:
PDF Heft 34 bis 22. Juli 2018
PDF Kalenderübersicht bis 22. Juli 2018
Termine und Filmtexte als Webcal für Smartphone, Tablet, PC (stetig aktualisiert)
PDF Heft 33
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PDF Kalenderübersicht bis 28. Februar 2018
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