Carl Laemmle Junior

Chef der Universal Studios

KISS BEFORE THE MIRROR (1933) von James Whale

Der aus dem schwäbischen Laupheim in die USA eingewanderte Carl Laemmle stieg 1909 ins Kinogeschäft ein und gründete 1912 die Universal Studios, bei denen das Starsystem seinen Anfang nahm und die als erste auch ihr Gelände als Touristenattraktion vermarkteten. Im Jahr 1928, am Ende der Stummfilmzeit, folgte ein gewagter Schritt: Carl Laemmle »schenkte« seinem 20-jährigen Sohn Julius die Position als Head of Production – doch nicht, ohne den vorher noch umzubenennen. Fortan hieß er nicht mehr Julius, sondern »Carl Laemmle, jr.«, was Kontinuität signalisieren sollte, sich aber für den jungen Mann, der bald nur noch »Junior« genannt wurde, als schwere Hypothek erwies. Man bezweifelte des Juniors Befähigung für seinen Posten, zumal der Senior für seinen Nepotismus bekannt war, und machte hinter seinem Rücken Witze über ihn.

Carl Laemmle Senior wandte sich mehr und mehr seinem humanitären Engagement zu, während Junior, stets makellos gekleidet und strahlend, das Studio auf neue Wege führte und zugleich viele Filme persönlich produzierte. Zwischen den beiden mächtigen und ungewöhnlich jungen Produktionschefs der Studios MGM und Universal, Irving Thalberg und Carl Laemmle Junior, bestand eine starke Rivalität, die auch damit zusammenhing, dass Thalberg zunächst selber bei Universal tätig gewesen war. Die Konkurrenz der beiden war von fazinierenden Kontrasten geprägt: Thalberg feuerte den exzentrischen Regisseur Erich von Stroheim, während Junior gezielt dessen nicht minder exzentrische Kollegen Paul Fejos und Edward Cahn einstellte. Thalberg ließ Dickens und Shakespeare verfilmen, Junior dagegen Gegenwartsautoren wie Erich Maria Remarque, Hans Fallada oder Stefan Zweig. Und während Thalberg einer der Verfasser des Production Code war, setzte Junior alles daran, die Zensur zu untergraben – Wiederaufführungen von John Stahls BACK STREET (1932) wurden nach der Einsetzung des Production Code rundweg abgelehnt, zunächst weil der Film »nicht die korrekten moralischen Werte« vertrete. Später wurde gar beschieden, BACK STREET sei »zum Symbol für genau die falsche Art Filme geworden«, denen der Production Code doch ein Ende setzen sollte. Allein Junior ist es zu verdanken, dass bei der Universal die Horrorklassiker der 1930er Jahre DRACULA, FRANKENSTEIN, THE MUMMY, THE INVISIBLE MAN etc. entstanden (die das Filmmuseum im Frühjahr 2017 zeigte), doch sein Einfluss ging weit darüber hinaus.

Er wollte das für seine Sparsamkeit berüchtigte Studio aufwerten und die gut eingeführte Produktpalette aus Western, Serials und Kurzfilmkomödien auf echte A-Filme umstellen, die vorerst durch die erfolgreiche B-Produktion querfinanziert werden sollten. Er war kultiviert, ehrgeizig und risikofreudig, förderte Innovationen in der Studiotechnik und versuchte neue Formen zu etablieren. KING OF JAZZ (1930) sollte eine neue Art des Musikfilms begründen und die verschwenderisch ausgestatteten MGM-Musicals in den Schatten stellen, doch der Aufwand für dieses Farbspektakel zahlte sich nicht aus. Das Projekt, das rund zwei Millionen Dollar verschlungen hatte, fiel an der Kasse durch.

Weiter im Text von Dave Kehr und Christoph Michel und zum Programm-pdf der Filmreihe
(14. September bis 7. November 2018)

LADIES MUST LOVE (1933) von Ewald André Dupont

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