Architekturfilmtage

Das Herz der Häuser

Eröffnungsfilm: RENZO PIANO - Architekt des Lichts (Spanien 2018) von Carlos Saura

Ein Haus in Buenos Aires. Ein Haus in Berlin. In Bukarest. In Wien. In Palästina ... Wie sind die Geschichten von Häusern zu erzählen? Durch die Räume, aus denen sie zusammengesetzt sind, die Objekte, mit denen sie ausgestattet sind, als Passagen-Werk? Haben Häuser eine Identität? Welche Rolle spielen die Menschen darin? Welchen Teil haben sie an dieser Geschichte? Braucht es sie wirklich? Die Häuser haben ihre festen Orte, in den Landschaften und den Städten, aber sie bewegen sich auch in der Geschichte. Sie entwickeln neue produktive Kräfte, indem sie behaust werden, durch Veränderungen, aber auch durch Abnutzung und Zerfall. Die Filme dieses Programms bringen Bewegung in die Architektur, setzen Architektur in Bewegung. Aber – ist da nicht immer schon Bewegung in der Architektur? Ist die Architektur am Ende immer schon Kino?

Das Glyptodon

Ein perverser kleiner Architekturfilm ist TESTA von Karl-Heinz Klopf, über die Biblioteca Nacional in Buenos Aires. Ein Durchgang durch das ganze Gebäude, in einer langen unermüdlichen filmischen Bewegung, ohne innezuhalten – aber der Blick bleibt strikt nach oben gerichtet, an die Decke. Keine Bücher, Regale, Kataloge. Eine Bibliothek als Labyrinth, ein Haus, in dem keiner auf Ordnung schaut. Architektur der Zerstreuung, der Desorientierung, Verlust der Perspektive. Man meint, es endet nie, merkt eine der Stimmen im Off an, man weiß nie wirklich, wo man ist ... 1955 bis 1973 war Jorge Luis Borges der Direktor, der Erzähler der Labyrinthe. Die Bibliothek ist von außen ein kompaktes Gebäude, das Geschlossenheit suggeriert. Im Innern dann ein Gewirr von Beton, Grau in Grau, die Decken, Vorsprünge, Treppen, Galerien. Kommentare erklingen – von Besuchern, Nutzern, Mitarbeitern? –, in denen Verwunderung und Unsicherheit sich reflektieren, sie verlieren sich im Raum. »Das ist anscheinend so gebaut, dass man das Zeitgefühl verliert.« Die Nationalbibliothek wurde 1962 konzipiert, von Clorindo Testa. Bei der Eröffnung 1995 war sie schon nicht mehr zeitgemäß, die Digitalisierung hatte das Bibliothekswesen völlig verändert. Bei den Ausschachtungen zum Bau legte man ein Glyptodon frei, ein vorzeitliches Schuppentier, Bauch, Organe, Herz. Vielleicht, heißt es im Film, wird man den Körper der Bibliothek in späteren Zeiten auch mal als ein Glyptodon ansehen.

Suizid durch Architektur

Ein Katastrophenfilm aus Wien, in dem die ganze Stadt zum Labyrinth wird, SÜHNHAUS von Maya McKechneay. Hauptschauplatz ist das ehemalige Wiener Ringtheater am Schottenring 7. Im Jahr 1881 brannte es ab, vierhundert Menschen starben. Schreie, Chaos, verkohlte Leichen, Trümmer. Wien, die traumatisierte Stadt. Kaiser Franz Joseph ließ an der Stelle des zerstörten Theaters ein neues Gebäude errichten, das sogenannte »Sühnhaus«. Ein architektonischer Verdrängungsversuch. Nach dem Krieg erneut ein Neubau, das Landespolizeiamt.

Weiter im Text von Fritz Göttler und zum Programm der Architekturfilmtage (4. - 7. April 2019)

SÜHNHAUS (Österreich 2016) von Maya McKechneay
HABAI'T HA ADOM - Das rote Haus (Israel 2016) von Tamar Tal Anati

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Das Kino im Untergeschoss ist über einen Aufzug für Rollstuhlfahrer zugänglich. Die Behindertentoilette befindet sich im Untergeschoss neben dem Kinoeingang. Der Kinosaal ist mit einer Induktionsschleife für Hörgeschädigte ausgestattet. Der Empfang ist auf den Plätzen am Anfang und am Ende der Sitzreihen am besten.

Programmheft
Das gedruckte Programmheft mit ausführlichen Angaben zu den Filmen ist im Filmmuseum erhältlich.

Sie können das Programmheft und den Spielplan auch herunterladen:
PDF Heft 36 (28. Februar - 28. Juli 2019)
PDF Heft 36 Kalenderübersicht

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