200 Jahre Fahrrad

Mobilität und Freiheit

"Beijing Bicycle" (China 2001) von Xiaoshuai Wang

Diese Geschichte hätte längst verfilmt sein müssen. Eine unglaubliche Geschichte: Da explodiert auf der indonesischen Insel Sumbawa der Vulkan Tambora und löst eine weltweite Katastrophe aus. Die Eruption hatte die 170.000-fache Stärke der Hiroshima-Atombombe. Noch in 2.600 km Entfernung waren die Explosionen zu hören, die Druckwelle war noch in 15.000 km zu spüren. Kann man sich das heute vorstellen? Stoff für einen Thriller. Aber die schlimmste Naturkatastrophe des vergangenen Jahrtausends ist in Vergessenheit geraten.

1816: Das Jahr ohne Sommer

Aber was hat dieser Vulkan mit der Erfindung des Fahrrades zu tun? Er war der Auslöser. Denn der Tambora spie so viel Staub und Asche in die Atmosphäre, dass 1816 der Sommer in Nordamerika und Europa ausfiel. Die globalen Durchschnittstemperaturen sanken um 3° C. Der Himmel blieb das ganze Jahr grau, die Ernten fielen aus. Vor Hunger wurden auch die Pferde geschlachtet, die nicht nur auf dem Acker eingesetzt wurden, sondern vor allem als Zugtiere für Kutschen und Karren. Der Waren- und Personentransport brach auch in Deutschland zusammen. Das brachte den in Karlsruhe geborenen Freiherrn von Drais auf die Idee, ein Fahrzeug zu entwickeln, mit dem sich ein Mensch auch ohne die Kraft eines Pferdes fortbewegen konnte. Der Durchbruch war, zwei Räder hintereinander anzuordnen statt wie bei der Kutsche nebeneinander. Er nahm einen Holzbalken, auf dem der Sitz montiert wurde, und befestigte vorne und hinten zwei Räder. Das vordere Rad war lenkbar. Angetrieben wurde das Gefährt, das Drais Loda nannte, aber als Draisine in die Geschichte einging, mit den Füßen.

Mit seiner Laufmaschine hatte Drais den Vorläufer des Fahrrades erfunden. Seine Jungfernfahrt von Mannheim nach Schwetzingen und zurück am 12. Juni 1817 war ein Medienereignis. Für die 14 km brauchte Drais mit seinem etwa 20 kg leichten Laufrad eine knappe Stunde. Seine Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 15 km/h. Die Begeisterung war groß. Die Draisine verbreitete sich nicht nur in Deutschland, sondern bald weltweit. Es wurde so viel Draisine gefahren, dass schon bald das Fahren auf befestigten Bürgersteigen verboten wurde. Die Straßen waren jedoch in einem schlimmen Zustand, und auch dort gab es bald Verbote. So verschwand das Laufrad aus dem Straßenbild, bis es als Sportgerät eine Renaissance erlebte.

Hochräder: Radfahrschulen in Velodromen

In den 1860er Jahren tauchten die ersten Räder auf, die am Vorderrad Pedale montiert hatten. Das Problem: Wer schneller fahren wollte, musste unheimlich schnell treten. Um das Tempo zu erhöhen, wurde das Vorderrad vergrößert – die Hochräder entstanden. Doch das Fahren auf dem Hochrad war ausgesprochen schwer und musste in sogenannten Velodromen erst erlernt werden. So reiste Prinzessin Viktoria zu Schaumburg-Lippe, Schwester des deutschen Kaisers Wilhelm II., extra von Berlin nach Bonn, um im dortigen Velodrom von Johann Bachem das Hochradfahren zu erlernen. Bachem war der erste gewesen, der vom Rüsselsheimer Fahrrad- und Nähmaschinenhersteller Opel das Privileg bekam, Opel-Räder zu verkaufen. Dazu war Bachem persönlich zu Adam Opel nach Rüsselsheim gereist. So entstand 1886 das erste offizielle Opel-Fahrradgeschäft der Welt in Bonn. Das war die Zeit, als das Automobil die ersten Meter zurücklegte. Im August 1888, als Cäcilie Bertha Benz ihre legendäre erste Autofahrt mit dem dreirädrigen Benz Patent-Motorwagen Nummer 3 von Mannheim nach Pforzheim unternahm. Ihr Ziel: Werbung für das Auto zu machen. Denn das Fahrrad war damals das Maß der Dinge, nicht das Auto.

Weiter im Text von Axel Mörer-Funk und zum Programm der Filmreihe (6. September bis 20. Dezember 2017)

"Das große Rennen von Belleville" (Frankreich 2003) von Sylvain Chomet

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