100 Jahre Bauhaus

Das Bauhaus im Film

Ise und Walter Gropius im Direktorenhaus

Etwas hatte das Bauhaus anderen Reformbewegungen und Ideenlaboren voraus: die umfangreich betriebene Eigenwerbung durch Publikationen, Ausstellungen, Kataloge, Plakate, Postkarten, Interviews mit Walter Gropius, der in seiner Doppelfunktion als Architekt mit eigenem Büro und als Direktor der Schule ständig mit Dia-Vorträgen unterwegs war.

Im Frühjahr 1926 macht die Humboldt-Filmgesellschaft Gropius das Angebot, über seine Reihenhaus-Siedlung in Dessau-Törten einen Film herzustellen. Produziert werden zwei Filme: DAS BAUHAUS UND SEINE BAUWEISE und WIE WOHNEN WIR GESUND UND WIRTSCHAFTLICH?. Gropius übernimmt die Beratung, die Leitung übergibt er seinem Assistenten Richard Paulick. »Paulick mag ein strebsamer Architekt sein, vom Film hat er keine Ahnung. Selbst wenn man in Betracht zieht, dass bei der Bauhauseröffnung nur Teile des Humboldt-Films gezeigt wurden, so beweist schon das Fragment, dass man viel zu oberflächlich und uninstruktiv die an sich gute Material- und Beispielsammlung in ihren Einzelheiten festgehalten und ausgewertet hat.« (Film-Kurier, 11.12.1926)

WOHNUNGSNOT, DAS NEUE HAUS und NEUES WOHNEN heißen die drei erhaltenen Teile des Films WIE WOHNEN WIR GESUND UND WIRTSCHAFTLICH? Im ersten Teil Aufnahmen von Berliner Mietskasernen aus der Gründerzeit: Seiten- und Hinterhäuser, Fensterfronten im Wechsel mit Brandmauern; in den Höfen Tauben, Hühner, spielende Kinder, eine Tischlerei, der abgestellte Lieferwagen einer Molkerei, ein Mann an seinem Arbeitsplatz, im Hauseingang eine Frau – freundlich schauen sie in die Kamera. Aber der Film interessiert sich nicht für die Bewohner. Die Kamera hat es auf die schäbigen Fassaden abgesehen, auf enge Bebauung, marodes Mauerwerk. In den Zwischentiteln: »Dunkle Höfe sind wahre Brutstätten für Ungeziefer und Krankheiten«, dazu kriechen Kinder vor einem Beerdigungs-Institut auf der Straße, halten einem Mann eine tote Ratte unter die Nase – Szenen aus Gerhard Lamprechts Spielfilm DIE VERRUFENEN (1925). Aus dem Kontext gerissene Einstellungen werden ohne Quellenangabe eingeschnitten und kontinuierlich als Beleg dafür benutzt, dass »in unsauberen muffigen Wohnungen« kinderreiche Familien »hausen«, beengtes Wohnen zu »Klatsch, Zank und Hader« führt, »Trunksucht, Prostitution und Verbrechen hier ihre Schlupfwinkel haben«. Für wie blind und unbedarft hielt man das Kinopublikum? »Die Ärmsten der Armen aber beher-bergt das Asyl für Obdachlose ... oder sie kampieren im Freien« – dazu das von Lamprecht mit viel Statisterie inszenierte Obdachlosenheim und drei Schauspieler auf einer Parkbank. Warum braucht ein Film über neue Wohnideen diesen Vorlauf? Diffamierung und Verlogenheit um jeden Preis? In welche Schieflage gerät eine Reformbewegung, die sich dieser unsäglichen Propaganda bedient?

Weiter im Text von Martina Müller und zum Programm der Filmreihe (18. Oktober - 3. November 2019)

THINGS TO COME (WAS KOMMEN WIRD) | GB 1936 | Regie: William Cameron Menzies

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