
Luchino Visconti
Luchino Visconti

That Luchino Visconti's name is at all known today may be due mainly to one film: IL GATTOPARDO (THE LEOPARD). But his work covers a multitude of styles and social strata.
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Dass der Name Visconti einer breiteren Öffentlichkeit auch heute noch etwas sagt, hat vor allem mit einem Film zu tun: IL GATTOPARDO (DER LEOPARD). Die opulente Aura, das edle Ambiente, die Schauwerte dieser Verfilmung des Romans von Giuseppe Tomasi de Lampedusa sind sozusagen zum Markenzeichen Viscontis geworden. Mit seinem Namen schmückt sich in Italien eine hochwertige Füllhalterkollektion oder ein Salon im Bayerischen Hof in München. Und eine mit großem Aufwand produzierte sechsteilige Netflix-Serie, die als Remake des Originals vermarktet wird. Claudia Cardinale sagte über ihre Rolle im Film, die sie zum Star machte: »Egal, wohin ich in der Welt komme, die Menschen identifizieren sich mit Angelica. Auch junge Leute. Egal, wen ich in den Straßen treffe, sie geben mir eine Blume für diese legendären Film. Ich sage auch oft zu Alain Delon, den ich sehr oft sehe, dass wir für immer verbunden sind. Auf ewig. Wegen Luchino und mit Luchino.«
MORTE A VENEZIA (TOD IN VENEDIG) kann sich mit dem Ausnahmestatus von DER LEOPARD nicht ganz messen, hat aber auch so etwas wie Kultstatus erlangt. Jean Améry war seinerzeit beeindruckt: »Fürderhin wird es wohl zwei TOD IN VENEDIG geben, die Thomas Mannsche Novelle und die filmische Zauberei Viscontis«. In diesem Sinne ist alles, was vorher war, eher Vorgeschichte, auch wenn OSSESSIONE und LA TERRA TREMA (DIE ERDE BEBT) neben den Filmen von Roberto Rossellini und Vittorio de Sica als Schlüsselfilme des Neorealismus gelten. BELLISSIMA kann man schon als Distanzierung vom neorealistischen Ethos verstehen. Doch gibt es etwas, was die Welt der armen Fischergemeinde in DIE ERDE BEBT, die er 1948 in Sizilien mit Fischern als Laienschauspielern inszenierte, mit der sieben Jahre später in SENSO (SEHNSUCHT) entworfenen aristokratischen Welt des Risorgimento verbindet, der Zeit der italienischen Einigungskriege im 19. Jahrhundert, die auch in DER LEOPARD im Mittelpunkt steht?
Es sind eine bestimmte Haltung, eine bestimmte Geschichtsauffassung und Viscontis eigene Erfahrungen im italienischen Faschismus und im Widerstand während der deutschen Besetzung Roms, die für den frühen wie für den späten Visconti bestimmend sind. Der 1906 in eine Familie aus altem lombardischem Adel hineingeborene Visconti genoss eine standesgemäße Bildung und Erziehung und widmete sich in den frühen 1930er Jahren einer standesgemäßen Tätigkeit: Er züchtete Rennpferde. Ab 1933 war er mehrmals in Deutschland und entwickelte eine nach eigenem Bekunden »ästhetische Faszination« für den Nationalsozialismus. Vor diesem Hintergrund war kaum abzusehen, dass er sich wenig später zum überzeugten Linken wandeln würde. Seine eher zufällig zustande gekommene Tätigkeit als Regieassistent für Jean Renoir in Frankreich und seine zahlreichen Kontakte mit Künstlern und Intellektuellen, die der Volksfront nahestanden, ließen ihn zum Kommunisten werden. Als solcher verstand er sich ein Leben lang, ohne jemals Mitglied der PCI, der kommunistischen Partei Italiens, gewesen zu sein. Noch in seinem vorletzten Film GRUPPO DI FAMIGLIA IN UN INTERNO (GEWALT UND LEIDENSCHAFT) lässt er den von Burt Lancaster gespielten Professor, in vielem ein Alter Ego des Regisseurs, sagen: »Der bürgerliche Kapitalismus ist gefährlicher denn je.«
Viscontis Blick auf die italienische Geschichte ist stark beeinflusst durch Antonio Gramsci, den führenden marxistischen Intellektuellen Italiens, den Mitbegründer der KPI und das prominenteste Opfer des Faschismus unter Mussolini. Für Gramsci ist das bestimmende historische Moment feudaler und bürgerlicher Gesellschaften die Krise: »Die Krise besteht just darin, dass das Alte stirbt und das Neue nicht zur Welt kommen kann. Während dieses Interregnums treten die verschiedenartigsten Krankheitserscheinungen auf.« Ästhetisch und in Bezug auf Visconti formuliert, äußern sich solche Krankheitserscheinungen als sinnlich inszenierte Verfalls- und Dekadenzprozesse, die letztendlich alle Vorahnungen des kommenden Faschismus spüren lassen. In diesem Sinne hat Karsten Witte den Regisseur auch einen »Chronist der Gefühle in Umbruchszeiten « genannt. Das Spezifische und auch heute noch vielleicht Gewöhnungsbedürftige ist aber, wie Visconti ästhetisch auf die Darstellung solcher Prozesse reagiert.
Zum gesamten Text von Ernst Schreckenberg und dem pdf der Filmreihe mit allen Titeln und Terminen.
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