Seit 13. Juli 2012
SOUNDLAB.1 – Museum wird hörbar

Wir eröffnen die Sammlung Musik als „Klang-Labor“, in dem Besucher und Besucherinnen jeden Alters selbst zu Forschern werden. Im neu eingerichteten Soundlab.1 laden interaktive Stationen zum Experimentieren mit Klang und Akustik ein: etwa eine Schlitztrommel, der „Xylonator“ oder die „Stampfröhren“.

Die ungewöhnlichen Objekte wurden zum Teil speziell von Münchner Musikpädagogen (Ardhi Engl und Roland Fritsch) und dem Ausstellungsarchitekten (Michael Hoffer) entwickelt. Kurze anleitende Texte sowie Demonstrationsfilme führen die Besucher in die Handhabung der Experimente ein, die akustische Phänomene anschaulich machen.

Musikalische Kenntnisse sind im Soundlab.1 nicht notwendig, um als Entdecker in die faszinierende Welt der Musikinstrumente einzutauchen. Das Soundlab.1 ist in die Dauerausstellung integriert - durch das aktive Klangerlebnis lassen sich die traditionellen Instrumente aus vergangenen Zeiten und fremden Kulturen ganz neu verstehen.

Im Zuge des Einbaus der neuen Stationen wird auch die dauerhafte Sammlungspräsentation in Teilen neu gestaltet. Das Soundlab.1 wird in mehreren Phasen realisiert, für den nun fertig gestellten ersten Abschnitt wurde der komplette Eingangsbereich der Sammlung Musik neu konzipiert.

Bronzetrommel (Soundlab-Station) Birma, um 1950, Kupfer-Zinn-Blei (Bronze)
Xylonator (Soundlab-Station) Nikolaus Warneke, Gigors-et-Lozeron, Frankreich 2010, Palisander, Plexiglas, Messing, Aluminium, Kork, Kürbis
Schalenglocke Kin (Soundlab-Station) Taiwan / Japan 2008, Kupfer-Zinn (Bronze)
Steel-Pan (Soundlab-Station) Eckhard C. Schulz (E.C.S), Dortmund, Deutschland 2009

Wir laden Sie ein zu einem "Spaziergang" durch den neuen Eingangsbereich und die ersten Soundlab-Stationen:

Ein Bildschirm liefert Informationen zur Geschichte der Sammlung Musik, zur Idee und Konzeption des Soundlab.1 und immer aktuell zu den vielen interessanten Konzerten, die hier stattfinden. Auch können hier Klangbeispiele zu den Instrumenten und Ensembles im Eingangsbereich angesteuert werden.

Im umgestalteten Eingangsbereich der Sammlung Musik „marschiert“ eine Blaskapelle der besonderen Art, gemischt mit heutigen und historischen Vorläufer-Instrumenten. Viele davon stammen von Münchner Instrumentenmachern. Das Schlagwerk der türkischen "Janitscharenmusik" wurde im 18./19. Jahrhundert auch in Bayern integriert. Eine "Stubn'musi" präsentiert einige Instrumente in heimischer alpenländischer Atmosphäre, während ein "Fensterl zum Orff" einen Ausblick auf das vielfältige Schlagzeug-Instrumentarium des Komponisten Carl Orff bietet. Der größte Teil dieser Instrumente stammt aus dem Privatbesitz von Carl Orff und wurde dankenswerterweise von der Carl-Orff-Stiftung Dießen, dem Orff-Zentrum München und von Studio 49 Gräfelfing als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Das Besondere daran: ein originales Lithophon (Steinspiel) aus Solnhofener Kalkstein in chromatischer Anordnung, das in frühen Aufführungen von Orffs Werken gespielt wurde, darf von den Besuchern ausprobiert werden.

An einer „Bayern/München-Klischee-Wand“ sind einige Hörproben abzurufen, beispielsweise ein Zither-Spiel, das Herzog Max so sehr anzog, kerniges Schuhplattler-Klatschen, Klänge aus Mauricio Kagels Exotica, die zur Olympiade 1972 in München mit 200 Instrumenten der Sammlung Musik aufgeführt wurde, oder auch Amon Düül II-Rock, u.v.m.

Nach einer akustischen Schleuse steht im nächsten Raum eine Station mit scheinbar martialischem Namen: "Xylonator" (Soundlab-Station). Es handelt sich um die Kombination einer Holzklangplatte (Xylophon) mit verschiedenen Resonatoren, die erstaunliche Klangveränderungen ermöglicht.

Ein großes "Wunderkabinett" der Musikinstrumente führt spielerisch in die Welt der Organologie der Musikinstrumente, als da sind: Idiophone (Selbstklinger), Membranophone (Fellklinger), Chordophone (Saitenklinger), Aerophone (Luftklinger) und Mechanische Musikautomaten.

Auch ein Edison-Phonograph gehört hierher. So kann man mit Hilfe eines Laserpointers schnell herausfinden, ob eine Kamanche ein Blas- oder Saiteninstrument ist und auch ein Musikbeispiel dazu hören.

Auch die Präsentation der Musikinstrumente aus Afrika ist neu gestaltet. Hier ist eine Schlitztrommel (Soundlab-Station) zu sehen: Sie ist das akustische Telefon z.B. der Bewohner am Fluss Kongo. Mit ihr können sie Nachrichten übermitteln - aber nicht als Morsezeichen sondern als Sprache, daher der englische Name "talkingdrum". Können auch wir Nachrichten mit der Schlitztrommel "sprechen" - und versteht sie jemand?

Bei der nächsten Station wurde der Boden eines Benzinfasses ausgeschnitten und durch kleine abgestimmte Felder zu einem Musikinstrument, einer Steel-Pan (Soundlab-Station) umgearbeitet. Das ist erst 70 Jahre her – heute ist ein Karnevalsumzug in Trinidad ohne eine Steel-Pan-Orchestra nicht vorstellbar.

Wenige Schritte weiter steht eine Bronzetrommel (Soundlab-Station) aus Birma/Myanmar. Solche archaischen Instrumente werden bis heute aus Blei-Zinn-Bronze in einem Stück gegossen und hatten früher wichtige Funktionen in Ritual und Zeremonie. Die Schlagplatte gibt am Stern in der Mitte einen dumpfen und etwas weiter außen einen helleren Ton von sich.

Rhythmen so zu gestalten, dass sie sich gegenseitig ergänzen, kennen wir vom Händeklatschen in Tirol, dem Flamenco in Andalusien oder dem Reisdreschen der Frauen auf der Insel Bali. Mit den Stampfröhren (Soundlab-Station) wird diese Technik nachgeahmt. Hier kommt noch hinzu, dass die 13 Pappröhren in unserem westlichen Tonsystem gestimmt sind und wir eine ganze Oktave in chromatischer Abstufung haben – fast wie bei einem Klavier.

Eine große Schale auf einem bunten Kissen, die am Rande angeschlagen wird, ist in Ostasien der Klang der Tempel: die liegende japanische Schalenglocke Kin (Soundlab-Station). Am Rande gerieben lässt sie ein tiefes Brummen erklingen - wie ein Weinglas in Basslage.