Seit 13. Juli 2012
SOUNDLAB.1 – Museum wird hörbar

Die Sammlung Musik als „Klang-Labor“. Im Soundlab laden interaktive Stationen zum Experimentieren mit Klang und Akustik ein: etwa eine Schlitztrommel, der „Xylonator“ oder die „Stampfröhren“. Die ungewöhnlichen Objekte wurden zum Teil speziell von Münchner Musikpädagogen (Ardhi Engl und Roland Fritsch) und dem Ausstellungsarchitekten (Michael Hoffer) entwickelt. Kurze anleitende Texte sowie Demonstrationsfilme führen die Besucher in die Handhabung der Experimente ein, die akustische Phänomene anschaulich machen. Musikalische Kenntnisse sind im Soundlab nicht notwendig, um als Entdecker in die faszinierende Welt der Musikinstrumente einzutauchen. Das Soundlab ist in die Dauerausstellung Musik integriert – durch das aktive Klangerlebnis lassen sich die traditionellen Instrumente aus vergangenen Zeiten und fremden Kulturen ganz neu verstehen.

Im Zuge des Einbaus der Soundlab-Stationen gestaltete man auch die dauerhafte Sammlungspräsentation in Teilen neu. Das Soundlab wird in mehreren Phasen realisiert, für den bereits fertiggestellten ersten Abschnitt wurde der komplette Eingangsbereich der Sammlung Musik neu konzipiert.

Wir laden Sie ein zu einem Rundgang durch den umgestalteten Eingangsbereich und die ersten Soundlab-Stationen:

Eine Medienstation liefert Informationen zur Geschichte der Sammlung Musik, zur Idee und Konzeption des Soundlab. Auch können hier Klangbeispiele zu den Instrumenten und Ensembles im Eingangsbereich angesteuert werden.

Im umgestalteten Eingangsbereich der Dauerausstellung Musik „marschiert“ eine Blaskapelle der besonderen Art, gemischt mit heutigen und historischen Vorläufer-Instrumenten. Viele davon stammen von Münchner Instrumentenmachern. Das Schlagwerk der türkischen "Janitscharenmusik" wurde im 18./19. Jahrhundert auch in Bayern integriert. Eine Stubn'musi präsentiert einige Instrumente in heimischer alpenländischer Atmosphäre, während ein "Fensterl zum Orff" einen Ausblick auf das vielfältige Schlagzeug-Instrumentarium des Komponisten Carl Orff bietet. Der größte Teil dieser Instrumente stammt aus dem Privatbesitz von Carl Orff und wurde dankenswerterweise von der Carl-Orff-Stiftung Diessen, dem Orff-Zentrum München und von Studio 49 Gräfelfing als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Das Besondere daran: ein originales Lithophon (Steinspiel) aus Solnhofener Kalkstein in chromatischer Anordnung, das in frühen Aufführungen von Orffs Werken gespielt wurde, darf von den Besuchern ausprobiert werden.

An einer „Bayern / München-Klischee-Wand“ sind einige Hörproben abzurufen, beispielsweise ein Zither-Spiel, das Herzog Max so sehr anzog, kerniges Schuhplattler-Klatschen, Klänge aus Mauricio Kagels „Exotica“, die zur Olympiade 1972 in München mit 200 Instrumenten der Sammlung Musik aufgeführt wurde, oder auch Amon Düül II-Rock, u.v.m..

Im nächsten Raum steht eine Soundlab-Station mit scheinbar martialischem Namen: "Xylonator". Es handelt sich um die Kombination einer Holzklangplatte (Xylophon) mit verschiedenen Resonatoren, die erstaunliche Klangveränderungen ermöglicht. Ein großes "Wunderkabinett" der Musikinstrumente führt spielerisch in die Welt der Organologie der Musikinstrumente, als da sind: Idiophone (Selbstklinger), Membranophone (Fellklinger), Chordophone (Saitenklinger), Aerophone (Luftklinger) und Mechanische Musikautomaten. Auch ein Edison-Phonograph gehört hierher. So kann man über einen Laserpointer schnell herausfinden, ob eine „Kamanche“ ein Blas- oder Saiteninstrument ist und auch ein Musikbeispiel dazu hören.

Auch die Präsentation der Musikinstrumente aus Afrika ist umgestaltet. Hier ist eine Schlitztrommel (Soundlab-Station) zu sehen: sie war das akustische Telefon z.B. der Bewohner am Kongo-Fluß. Mit ihr können sie Nachrichten übermitteln - aber nicht als Morsezeichen sondern als Sprache, daher der englische Name "talking drum". Können auch wir Nachrichten mit der Schlitztrommel "sprechen" - und versteht sie jemand?

Bei der nächsten Station wurde der Boden eines Benzinfasses ausgeschnitten und durch kleine abgestimmte Felder zu einem Musikinstrument, einer Steel-Pan (Soundlab-Station) umgearbeitet. Das ist erst 70 Jahre her - heute ist ein Karnevalsumzug in Trinidad ohne ein Steel-Pan-Orchestra nicht vorstellbar. Wenige Schritte weiter steht eine Bronzetrommel (Soundlab-Station) aus Birma / Myanmar. Solche archaischen Instrumente werden bis heute aus Blei-Zinn-Bronze in einem Stück gegossen und hatten früher wichtige Funktionen in Ritual und Zeremonie. Die Schlagplatte gibt am Stern in der Mitte einen dumpfen und etwas weiter außen einen helleren Ton von sich.

Rhythmen so zu gestalten, dass sie sich gegenseitig ergänzen, kennen wir vom Händeklatschen in Tirol, dem Flamenco in Andalusien oder dem Reisdreschen der Frauen auf der Insel Bali. Mit den Stampfröhren (Soundlab-Station) wird diese Technik nachgeahmt. Hier kommt noch hinzu, dass die 13 Pappröhren in unserem westlichen Tonsystem gestimmt sind und wir eine ganze Oktave in chromatischer Abstufung haben - fast wie bei einem Klavier.

Eine große Schale auf einem bunten Kissen und am Rande angeschlagen ist in Ostasien der Klang der Tempel: die liegende japanische Schalenglocke „Kin“ (Soundlab-Station). Am Rande gerieben lässt sie ein tiefes Brummen erklingen - wie ein Weinglas in Basslage.

Zur Neupräsentation der afrikanischen Musikinstrumente ist Ende 2013 der Bestandskatalog „Afrikanische Musikinstrumente. Katalog und Nachdokumentation der Musikinstrumente aus Afrika südlich der Sahara in der Sammlung Musik des Münchner Stadtmuseums“ im Nicolai Verlag, Berlin erschienen und zum Preis von 48 € an der Museumskasse und im Online-Shop erhältlich.

Für Kinder, Schulklassen und Erwachsene werden begleitende Führungen sowie Gamelan- und Trommel-Workshops angeboten. Darüber hinaus gibt es ein spezielles buchbares Angebot für blinde und sehbehinderte Besucherinnen und Besucher. Alle Angebote können unter
Tel. 089-233-22367 oder per E-Mail unter: musik.stadtmuseum(at)muenchen.de gebucht werden.