21. Februar – 17. August 2014
M.T. Wetzlar Silberschmiede, gegründet 1875 – arisiert 1938

M.T. Wetzlar Silberschmiede in München, gegründet 1875 – arisiert 1938

Die Ausstellung über die Silberschmiede M.T. Wetzlar soll dazu beitragen, eine Münchner jüdische Familie mit ihrer renommierten Silberwerkstatt, die 1938 arisiert wurde und damit in Vergessenheit geriet, angemessen zu würdigen.

Es sind rund 200 Objekte aus der Werkstatt von M.T. Wetzlar zu sehen, die von zeitgenössischen Fotografien weiterer Produkte ergänzt werden. Für die Stadtgeschichte ist besonders relevant, dass Heinrich Wetzlar 1930 das Ratsbesteck der Stadt München entworfen hat. Das gesamte Besteck wird mit dem Ratsservice aus der Nymphenburger Porzellanmanufaktur, entworfen von Wolfgang von Wersin, nach Jahrzehnten zum ersten Mal wieder der Öffentlichkeit präsentiert.

Moses Tobias Wetzlar zog 1875 von Hessen nach München, um sich eine Existenz aufzubauen. Er eröffnete ein eigenes Silberwarengeschäft und war Kantor an der orthodoxen Ohel-Jakob-Synagoge. Die Familie mit ihren sechs Kindern integrierte sich in das bürgerliche Leben Münchens. Das Ladengeschäft mit eigener Werkstätte in der Maximilianstraße war ab 1903 eine der ersten Adressen für hochrangige Kunden. Seit 1907 konnte man den Titel „Hoflieferant Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Rupprecht von Bayern“ führen.

M.T. Wetzlar, Tee-Service, 1929 © Münchner Stadtmuseum
M.T. Wetzlar, Ratsbesteck der Stadt München, 1930  © Münchner Stadtmuseum
M.T. Wetzlar, Kanne mit geschnitztem Griff, um 1910 © Münchner Stadtmuseum
Theodor Hilsdorf, Silberschmied in der Werkstätte von M.T. Wetzlar, um 1935 © Münchner Stadtmuseum

Die vier Söhne Wetzlars beteiligten sich als bayerische Offiziere am ersten Weltkrieg. Mit Heinrich Wetzlar, einem Sohn des Firmengründers, erfuhr die Silberschmiede neue künstlerischen Impulse. Er lernte, unter anderem bei Fritz von Miller, der als Lehrer an der Königlichen Kunstgewerbe-schule zwei Generationen von Münchner Silberschmieden prägte. Dadurch gab es in München mehrere Firmen, die alle hervorragende handwerkliche Arbeiten lieferten wie Th. Heiden, C. Weishaupt oder E. Wollenweber. In diesem Umfeld sind die Silberarbeiten von M.T. Wetzlar zu sehen, die sich durch eigene Entwürfe sowie durch hohe Qualität der Verarbeitung des in der Regel dickwandigen Silbers auszeichnen.

Nach 1933 litt die Firma M.T. Wetzlar wie alle anderen jüdischen Unternehmen unter den anwachsenden Repressalien der Nationalsozialisten. Die zwangsweise Arisierung des Geschäfts im Jahr 1938 zerstörte die bürgerliche Existenz der Familie Wetzlar, der es 1939 gelang nach London zu emigrieren. Dort starb Alexander Wetzlar 1957, sein Bruder Heinrich kehrte 1956 nach München zurück, konnte aber nicht mehr in seinem angestammten Berufsfeld tätig sein. Mit seinem Tod 1974 erlosch die Familie.

Publikation

Die Begleitpublikation zur Ausstellung in Deutsch und Englisch mit 216 Seiten, ca. 250 Abbildungen davon viele in Farbe, erscheint bei Arnoldsche Art Publishers, Stuttgart.

Erhältlich an der Museumskasse und in unserem Online-Shop für 39,80 €.