Sammlung Angewandte Kunst

Die Moriskentänzer

Die im Jahr 1480 von Erasmus Grasser geschnitzten Moriskentänzer zählen zum kostbarsten Besitz des Münchner Stadtmuseums. Der Name der Figuren bezieht sich auf ursprünglich wohl maurische Springtänze, die später auch an den großen Höfen aufgeführt wurden.

Die erste quellenmäßige Überlieferung zum Bildschnitzer Erasmus Grasser stammt aus dem Jahr 1475. Die Zunft der „Maler, Schnitzer, Seidennater und Glaser“ versuchte in einer Eingabe an den Rat der Stadt München zu verhindern, dass der junge, aus dem oberpfälzischen Schmidmühlen stammende Bildhauer Meister werden sollte. In diesem Dokument wird Grasser als „unfridlicher, verworner und arcklistiger knecht“ charakterisiert.

Gleichwohl gelang es ihm, der anscheinend auch durch die in München noch ungewohnten Neuerungen seines Stils aufgefallen war, wenig später einen sehr lukrativen städtischen Auftrag zu erhalten. Für den Saal des „Tanzhauses“ (heute Altes Rathaus), das Jörg von Halsbach seit 1470 errichtete, schuf Grasser 1477 elf Wappenschilde sowie Sonne und Mond. 1480 wurde er für sechzehn Moriskentänzer bezahlt. Die Schnitzarbeiten waren Bestandteil eines heraldischen Deckenprogramms, das den weit gefassten Führungsanspruch des bayerischen Herzogs Albrecht IV. historisch legitimieren sollte. Das Konzept der Saaldecke hat wohl der Literat, Historiker und Maler Ulrich Fuetrer (1430-1496) erarbeitet. Es sah für den Scheitel des Tonnengewölbes das Wappen Kaiser Ludwigs des Bayern mit Kaiseradler und dem weiß-blau gerauteten Herzschild der Wittelsbacher vor. Das Wappen war ursprünglich von einem Strahlenkranz umgeben und stand in kosmologischem Bezug zu den Darstellungen von Sonne und Mond. Der weltumspannende Horizont des ehemals kaiserlichen und jetzt neu artikulierten Machtanspruchs wurde durch einen Fries von knapp hundert zusätzlichen Wappen abgesteckt. Sie waren als Abbild des ganzen Erdkreises zu verstehen. Auch die Moriskentänzer, von denen sich zehn Figuren erhalten haben, zählten ursprünglich zum Wappenfries und waren auf Konsolen stehend am Ansatz der hölzernen Tonnendecke in fünf Metern Höhe angebracht.

Vor der Zerstörung des Saals im Zweiten Weltkrieg wurden die Figuren bereits 1931, die Wappen 1942 fürs Museum geborgen. In dem für städtische Festanlässe genutzten Saal sind sie heute durch Kopien ersetzt.

Bildarchiv

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Publikation

Die Moriskentänzer stehen im Blickpunkt der Publikation, die den offenen Fragen zum Thema aus ganz unterschiedlichen, wissenschaftlichen Sichten nachgeht. Herausgegeben von Iris Lauterbach und Thomas Weidner als Band 32 der „Veröffentlichungen des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München". Erhältlich ist das Buch "Die Münchner Moriskentänzer. Repräsentation und Performanz städtischen Selbstverständnisses" an der Museumskasse, im Zentralinstitut für Kunstgeschichte und in unserem Online-Shop für 20,00 €.