Dauerausstellung Puppentheater / Schaustellerei

Die 1984 auf zirka 2.000 qm eingerichtete Dauerausstellung der Sammlung Puppentheater / Schaustellerei befindet sich im dritten Obergeschoss des Münchner Stadtmuseums. Sie präsentiert einen attraktiven Querschnitt des ansonsten im Depot aufbewahrten Sammlungsgutes und bietet in übersichtlicher Gliederung einen thematisch geordneten Rundgang durch die Puppentheatergeschichte seit dem 19. Jahrhundert. In einem sich daran anschließenden zweiten Areal sind Objekte zur Schaustellerei mit Schwerpunkt “Populäre Vergnügungen“ und „Münchner Oktoberfest“ zu sehen.

Der Eingangsbereich dient als Forum für neue Ankäufe oder Schenkungen und kann auch mit thematischen Wechselausstellungen bespielt werden.

Nach einer Übersicht zu den verschiedenen Figurentechniken (Handpuppe, Marionette, Stabfigur, Papiertheater und Sonderformen) und dem Einblick in die Figurenwerkstatt des Münchner Schnitzers Walter Oberholzer werden Beispiele zum traditionellen Kasperl- und Wandermarionettentheater aus Süddeutschland vorgestellt. Einen breiten Raum nehmen die von München ausgehenden Reformbestrebungen des „Münchner Marionettentheaters“ von 1858 mit seinem Hausautor Franz Graf Pocci und das daran um 1900 anschließende Künstlerische Puppenspiel ein. Zu sehen sind u.a. Figuren des „Marionettentheaters Münchner Künstler“ von Paul Brann, Stabfiguren von Richard Teschner aus Wien sowie Figuren und Bühnenbilder der „Schwabinger Schattenspiele“. Die Moderne im Puppenspiel nach 1945 ist vertreten durch Marionetten zu einem von Tankred Dorst für das Münchner Studententheater „Kleines Spiel“ geschriebenen Stück. Mit Harry Kramers „Mechanischem Theater“ wird ein Übergang zum zeitgenössischen Figurentheater mit seinen Bezügen zur bildenden Kunst hergestellt.

„Pelzteufel“ zu dem phantastischen Spiel „Nachtstück“ aus dem Stabfigurentheater von Richard Teschner, Wien, 1913
Pferd aus dem Karussel der Betz'schen Gastwirtschaft in München-Bogenhausen, um 1820
Szene mit Schattenspielfiguren aus der chinesischen Provinz Sichuan, frühes 20. Jahrhundert
Figuren zu „A trumpet for Nap“ von Tankred Dorst in der Fassung des Theaters „Kleines Spiel“, München, 1959
Kerzenwagen und Rädermann aus dem „Mechanischen Theater“ von Harry Kramer, Paris, 1956
Wachsbüste des Serienmörders Fritz Haarmann aus einem Panoptikum, um 1930
Wurfbuden-Köpfe „Runter mit dem Zylinder“, um 1950
Kasperl Larifari vor der gemalten Kulisse des 1900 errichteten Gebäudes für das 1858 gegründete „Münchner Marionettentheater“ von Johann Leonhard Schmid

Im Übergang zur Schaustellerei finden sich Beispiele asiatischer Puppenspielformen und zwei aus dem 14. Jahrhundert stammende ägyptische Schattenfiguren aus der Sammlung des Orientalisten Ernst Kahle.

„Auf geht’s beim Schichtl“ mit der Original-Guillotine zur noch heute auf der Wies'n präsentierten Zugnummer „Enthauptung einer lebenden Person“ und dem aus der Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg stammenden „Mechanischen Turner“ am Schlappseil. Zu sehen sind ferner eine reich ausgestattete Schießbude, Fassadenfiguren zu Karussells, Karusselltiere und -fahrzeuge, King Kong als mechanische Großfigur zu einem Fahrgeschäft sowie Wurfbudenköpfe, Walzenorgeln und Schaustellermalerei. Ein Panoptikum versammelt eine „Liegende Venus“ als anatomisches Modell, Büsten aus Wachs und allerlei Kuriositäten, die zur Belehrung und zum Schaudern des Publikums auf Jahrmärkten vorgestellt wurden. Ein für München unabdingbares Highlight sind die weltweit ältesten noch erhaltenen Karussellpferde und -wagen aus dem Garten der Betz'schen Gastwirtschaft in Haidhausen.

An die Dauerausstellung schließt sich ein Sonderausstellungsraum an, in dem weitere Sammlungsbestände thematisch aufgearbeitet präsentiert werden. Er dient aber auch als Experimentierfeld für Künstler, die ihre theatrale Denk- und Arbeitsweise in Form von Rauminstallationen vorstellen.

Publikation

Puppentheater

Zur Ausstellung ist eine umfangreiche Publikation "Puppentheater. Bilder, Figuren, Dokumente. Handbuch zur Schausammlung des Puppentheatermuseums" von Wolfgang Till, Universitätsdruckerei und Verlag Dr. C. Wolf und Sohn München, Umfang 200 Seiten erschienen. Erhältlich an der Museumskasse und in unserem Online-Shop für 15,00 €.